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Von der Schlesischen Provinz zur Provinz Berlin |
| Vorgeschichte |
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Vieles im Bistum Breslau lag in der ersten Hälfte des 19. Jh. im Argen. Melchior von Diepenbrock - 1845 Fürstbischof von Breslau - übernahm ein Bistum, in dem Armut und Bildungsnotstand weit verbreitet waren. Als Freund des Bischofs Wittmann hatte er das segensreiche Wirken der Schulschwestern in Bayern kennen gelernt. So bat er um Schulschwestern auch für sein Bistum. |
| Gründung der ersten Niederlassung in Schlesien |
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Mutter Theresia kam im
September 1849 nach Breslau. Der Fürstbischof weilte zu dieser Zeit
auf Schloss Johannesberg. Mutter Theresia wurde an Kanonikus Gärth verwiesen, der sich voll und ganz für die Verwirklichung der Gründung der ersten Niederlassung in Schlesien einsetzte.
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So kamen im Oktober 1851 die ersten fünf Schulschwestern nach Breslau, um die Arbeit in dem Waisenhaus MATER DOLOROSA aufzunehmen. |
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| Allseitige Anerkennung der
Tätigkeit der Schwestern bewirkte, dass ihnen bald weitere Aufgaben
in Breslau und in ganz Schlesien angetragen wurden. Die Zahl der Schwestern wuchs beständig; das führte zur Gründung des Mutterhauses in Breslau. Das erste Noviziat wurde 1856 in Mater Dolorosa eingerichtet.
Schnell breitete sich die Kongregation in Schlesien aus. |
| Der Kulturkampf |
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Wie ein
Wetterschlag schlug der Kulturkampf in die blühende Schlesische Ordensprovinz ein. Infolge der Maigesetze von 1875 mussten die Schwestern von ihrem lieb gewonnenen Arbeitsfeld scheiden. Am 31. Mai 1875 wurden alle Orden mit Ausnahme der Krankenpflegeorden verboten. Nach und nach mussten die Schwestern der Gewalt weichen, ihre Arbeit einstellen und in weltliche Hände übergeben, mussten die Häuser verlassen und gingen zum größten Teil nach Österreich/Schlesien. |
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Nahe der
Grenze - in Weißwasser - fanden die vertriebenen Schwestern im alten Kloster der Piaristen, das angemietet werden konnte, ihre Zuflucht. |
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| Von der österreichischen
Regierung wurde 1876 eine zeitweilige Niederlassung des Mutterhauses
in Weißwasser genehmigt - unter der Bedingung, dass die
österreichischen Gesetzte beachtet werden. Die Schwestern mussten den österreichischen Bürgereid ablegen, für die Tätigkeit in den Schulen musste die Lehrbefähigung für Österreich nachgewiesen, Prüfungen in Geschichte, Erdkunde und Literatur abgelegt werden. |
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Bald konnten auch hier neue Niederlassungen gegründet werden: Schwarzwasser, Weißwasser, Jägerndorf, Karwin, Austerlitz - das später das Mutterhaus der Tschechoslowakische Provinz werden sollte. |
| Rückkehr aus der Verbannung |
| Am 29. April 1887 kam die teilweise Aufhebung der Maigesetze von 1875 mit dem Artikel: "Im Gebiet der preußischen Monarchie werden wieder zugelassen diejenigen Orden, die sich dem Unterricht und der Erziehung der weiblichen Jugend in höheren Mädchenschulen und gleichartigen Erziehungsanstalten widmen..." |
| Die Schwestern konnten nach
Preußen zurückkehren; zum großen Leidwesen der Schwestern wurde
ihnen aber die Arbeit in den Volksschulen nicht gestattet. Bald
taten die ersten Filialen in Schlesien ihre Klosterpforten wieder
auf. Im Lauf des Sommers 1896 konnte auch das Mutterhaus von Weißwasser wieder nach Breslau verlegt werden. |
| 1902
Zusammenlegung der Niederlassungen der Westfälischen mit der Schlesischen Provinz. Dies hatte verschiedene Gründe:
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| 1904
folgten die Schwestern der Bitte
des Erzbischofs Bilczewski nach Lemberg, der Hauptstadt von Galizien,
mit einen Gewirr von Sprachen, Nationalitäten und Religionen.
Die jetzige "Provinz Preußen" reichte von Lemberg bis nach Elberfeld im Rheinland. |
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| Kriegsende (1918) und
Nachkriegszeit Einen neuen Einschnitt in die Entwicklung der Provinz brachte der 1. Weltkrieg. Schwestern halfen nach Kräften in der Heimat, wo es nötig war. Nach dem Krieg hatte sich die Landkarte Europas geändert: Es entstanden Österreich, Ungarn, Tschechische Republik und Polen als selbständige Nationen. In allen diesen Ländern wurden je eigene Ordensprovinzen gegründet. |
| Westfalen (1921)
Was 1902 als günstig für den
preußischen Teil des Ordens angesehen wurde, erwies sich im Laufe
der Zeit als problematisch: die Ausdehnung der Provinz vom Rheinland
bis Lemberg, die notwendigen weiten Reisen und ungünstigen
Verkehrsverhältnisse verbunden mit hohen Kosten u.a.m. |
| Tschechoslowakei (1923) Mit der Gründung der Tschechoslowakischen Republik ergab sich die Notwendigkeit der Errichtung einer eigenen Tschechoslowakischen Provinz für die entlang der Grenze zu Schlesien gelegenen Niederlassungen. So kam es im Jahr 1923 zur Gründung der Tschechischen Provinz mit Sitz in Austerlitz (Slavkov u Brna) |
| Polen (1934) Die im Süden Polens gelegenen Niederlassungen - Schwarzwasser, Bielitz und Lemberg - wurden zunächst zu einem Vikariat zusammengeschlossen, das weiterhin Breslau unterstellt war. Zu dessen Sitz wurde Lemberg bestimmt bis es 1934 endgültig zur Gründung der Polnischen Provinz kam. |
| Territorial war die Schlesische Provinz nun kleiner und überschaubarer geworden, aber trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage nach dem 1. Weltkrieg entstanden neue Filialen. Hitlers Machtübernahme 1933 brachte jedoch die Wende in der Entwicklung der Schlesischen Provinz, die zu dieser Zeit auf ihrem Höhepunkt war. |
| Die Schlesische Ordensprovinz im Dritten Reich |
| Mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler begann für die katholische Kirche, und damit auch für die Orden wieder eine schwere Zeit. Die Erziehung der Kinder und Jugendlichen sollte nach und nach den Schwestern aus den Händen genommen werden. Die Schließung der Ordensschulen bahnte sich an. |
| Weitsichtige Vorgesetzte ließen Schwestern nicht mehr als Lehrerinnen ausbilden, sondern als Fürsorgerinnen (Sozialarbeiterinnen), Seelsorgshelferinnen und Organistinnen. |
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Ein weiteres Tätigkeitsfeld
tat sich für die Schwestern in Brasilien auf. Fünf Schwestern wurden gesandt, in Forquilhinha eine dort schon bestehende deutsche katholische Volksschule mit 120 Kindern zu übernehmen. Schon im Jahr 1935 wanderten die ersten Missionarinnen nach Brasilien aus. |
| Nach dem Münchener Abkommen
zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland von
1938 vereinnahmte Hitler das Sudetenland. Die in diesem Gebiet
gelegenen Niederlassungen der Tschechoslowakischen Provinz wurden an die
Schlesische Provinz angeschlossen. Bei der Tschechoslowakischen Provinz
verblieben deren Mutterhaus und zwei kleinere Filialen außerhalb des
Sudetenlandes. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Die letzten Schulen wurden geschlossen, Schwestern zum Kriegseinsatz in Lazaretten herangezogen oder in der Seelsorge angestellt, wo Kapläne zum Militär eingezogen waren. Infolge der Besetzung von Ostoberschlesien wurden die Niederlassungen dieses Gebietes wieder an die Schlesische Provinz angeschlossen, desgleichen Lemberg und fünf weitere Filialen in Ostpolen. |
| Ende des 2. Weltkrieges - Nachkriegszeit |
| Das Kriegsgeschehen nahm
seinen Lauf. Nach anfänglichen siegreichen Feldzügen im Osten wie im
Westen wendete sich das Blatt. Im Winter 1943/44 begann der Rückzug
vor der feindlichen Übermacht auf allen Fronten. Die Repressalien
seitens des NS-Regimes gegenüber der Kirche und den Orden erreichten
ihren Höhepunkt. In Schlesien begann die Massenflucht vor der herannahenden sowjetischen Armee. |
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Das Breslauer Mutterhaus vor der Zerstörung am 2. April 1945 |
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| Die sowjetische Armee
überrollte Schlesien mit allen Grausamkeiten, die auch die
Schwestern zu spüren bekamen. Ihnen folgten die Polen, die die
Herrschaft in Schlesien übernahmen. Polnische Mitschwestern, die aus Lemberg und Galizien vertrieben waren, kamen nach Schlesien und übernahmen unsere Heime, soweit diese nicht beschlagnahmt waren und anderweitig genutzt wurden. |
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Die deutschen Schwestern
wurden aus Schlesien ausgewiesen. Ein Teil fand Aufnahme in der
Bayerischen Provinz, ein Teil in der Westfälischen Provinz. Für den größten Teil der Schwestern musste in Berlin und der sowjetisch besetzen Zone - später DDR - Wohn- und Arbeitsmöglichkeit gefunden werden. Die ersten Anlaufstellen waren die schon in diesem Gebiet bestehenden Niederlassungen Neuzelle und Berlin-Niederschönhausen. Da beide aber keine ordenseigenen Häuser waren, konnten die Schwestern nur vorübergehend hier bleiben. |
| Das neue Mutterhaus in Berlin Marienfelde |
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Der Provinzleitung wurde 1946 die Villa in der Emilienstraße in Berlin Marienfeld angeboten. Hier konnte 1947 - nach gründlicher Renovierung der durch die Besatzer völlig demolierten Villa - das neue Mutterhaus gegründet werden. |
| Schulen In Westberlin wurde die St. Marien Grund- und Oberschule gegründet. Schwestern unterrichteten auch in Pfarrschulen. Ein neues Kindergärtnerinnenseminar entstand. |
| Kindertagesstätten Die Arbeit in der Kindestagestätte in Berlin-Reinickendorf wurde übernommen und in Berlin-Marienfelde wurde eine ordenseigene Kindertagesstätte errichtet. |
| Seelsorgestellen Die bayerischen Schwestern, die bislang die Seelsorgestellen betreut hatten, überließen diese nun den schlesischen Schwestern. Das Kinderheim in Torgau - bisher von westfälischen Schwestern geleitet - wurde ebenfalls den Schwestern der Schlesischen Provinz überlassen. |
| Kinderheime In der sowjetisch besetzten Zone - der späteren DDR - war die Übernahme des Unterrichts in Schulen nicht möglich. Hier hatten die Schwestern nach und nach Arbeit gefunden in Kinderheimen, Kindertagesstätten, Altenheimen, Schwesternruheheimen und Fürsorgeheimen. |
| Überall hieß es in der Nachkriegszeit Aufbauarbeit leisten - die Häuser waren demoliert und ausgeraubt. Es herrschten Geld-, Material- und Lebensmittelknappheit. Große Unterstützung erfuhren die Heime von Seiten der Caritasverbände. |
| Mauerbau |
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Die DDR - 1949 gegründet -
glaubte, sich vor dem "kapitalistischen Ausland", wozu auch die
Bundesrepublik Deutschland gezählt wurde, schützen zu müssen und
baute Mauern und zog Stacheldraht. Die meisten Filialen lagen auf dem Gebiet der DDR; die Schwestern waren vom Mutterhaus und den Schulen in Westberlin abgeschnitten. Es wurde das Vikariat DDR
errichtet. Nur mit Mühe konnte der Kontakt zwischen der
Provinzoberin und den Schwestern in der DDR stattfinden. |
| Fall der Mauer |
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Unverhofft wurde übernacht im November 1989 die Mauer in Berlin geöffnet, und damit auch die Grenze zum Westen - zur großen Freude der Bevölkerung. Große Anteilnahme erfuhren die Schwestern von allen Seiten. Erste Schritte zur Auflösung der Region und Zusammenführung mit der Provinz erfolgten schon bald seitens des Generalrates und der Provinzleitung. Am 8. September 1991 waren wir wieder e i n e Provinz Berlin.
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Fehlender Ordensnachwuchs brachte es mit sich, dass eine
Niederlassung nach der anderen in die Hände weltlichen Personals
übergeben werden musste. So leben und arbeiten die Schwestern nur noch im
Mutterhaus Berlin-Marienfelde, in Storkow-Hubertushöhe, dem Ruhe-
und Pflegeheim für unsere Schwestern, und eine Schwester leitet die
kath. Grundschule in Petershagen bei Berlin. Indes musste für die Schwestern der aufgelösten Filialen neuer Wohnraum geschaffen werden, da das Mutterhaus dafür zu klein war. Es wurde verkauft und ein neues Gebäude wurde 2002 als Mutterhaus und Schwesternwohnhaus erstellt. Inzwischen – wir schreiben das Jahr 2005 – ist die Provinz auf 57 Schwestern zusammengeschmolzen. Nach langen Verhandlungen und einem positiven Prozess des Miteinander wird am 1. Januar 2006 die Eingliederung in die Bayerische Provinz vollzogen. |
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Mit Vertrauen auf Gottes weise Führung gehen wir in die Zukunft – zurück zum Ursprung. |