Spiritualität 2016-10-27T19:40:32+00:00

Spiritualität – mehr als nur beten …

„Dreifaltiger Gott! Du rufst mich, eins zu sein mit Dir, und sendest mich, Deine Liebe durch mein Leben zu verkünden.“ (Lebensregel Ihr seid gesandt GD 30)
ISG

Die Spiritualität unserer internationalen Kongregation der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr.
ist maßgeblich geprägt von unserer Gründerin –  Theresia von Jesu Gerhardinger – ,
die, inspiriert von Bischof Michael Wittmann und Franz Sebastian Job
in den Spuren von Petrus Forerius und Alix Le Clerc
und in Reaktion auf die Zeichen der Zeit,
die christliche Erziehung von Mädchen und jungen Frauen zu ihrem besonderen Anliegen machte.

Petrus Forerius
Alix Le Clerc
Bischof Michael Wittmann
Franz Sebastian Job

Nachfolge Christi nach den evangelischen Räten

Wie auch andere Ordensgemeinschaften leben wir die Nachfolge Christi nach den evangelischen Räten, und zwar in Gemeinschaft,
d.h. gottgeweihte Ehelosigkeit, evangelische Armut und apostolischen Gehorsam.
In Antwort auf Gottes Liebe schließen wir mit ihm den Bund der Treue.

Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“
– ganz und gar offen sein für Gott,
– frei sein, um mich von Gott senden zu lassen,
– verfügbar sein für den spezifischen Auftrag.

Lebensregel:
Die Hingabe unseres ganzen Wesens an Christus und an die Menschen verlangt und fördert unser beständiges Wachsen hin zur Fülle des Lebens. Tiefe Selbstachtung und Selbstbejahung wie auch das Wissen um die psychologische und christliche Dimension des Menschseins und der Geschlechtlichkeit sind grundlegend für unsere gottgeweihte Ehelosigkeit. (GD 14)

Mutter Theresia:
Schenken wir Gott unser ganzes Herz, es gehört Ihm ja!

– mich darin üben, nicht haben zu müssen,
– alles gemeinsam haben,
– einen einfachen Lebensstil pflegen,
– solidarisch sein mit denen, die Unrecht leiden, ausgegrenzt sind und denen das Notwendige zum Leben fehlt.
Lebensregel:
Reich geworden in der Erfahrung der Liebe Christi, wagen wir ihm zu folgen und uns ganz auf den gütigen Gott zu verlassen. (K 15) Evangelische Armut bedeutet zutiefst, dass wir ganz leer vor Gott stehen und unser Menschsein demütig annehmen. (K 16)

Mutter Theresia:
Die Klugheit rechnet, die Liebe liebt.

– Selbst und zusammen mit anderen den Willen Gottes suchen,
– bereit sein, mich auf ungewohnte Wege zu begeben und im Vertrauen auf Gott Vertrautes aufzugeben,
– bereit sein, mich auf eine Versetzung einzulassen, d.h. offen sein für eine mögliche Veränderung des Einsatzortes, der lokalen Gemeinschaft, der Aufgabe.
Lebensregel:
Gott tut uns seinen Willen kund durch sein Wort, durch die Menschen, die Situationen des Lebens, der Kirche und der Welt und durch seine Anregungen in unserem Herzen. In der Kraft seines Geistes suchen wir persönlich und gemeinsam durch Gebet, Besinnung und Dialog seinen Ruf zu hören und unsere Antwort zu erkennen. (K 19)
Mutter Theresia:
Was das Herz liebt, nach dem bildet es sich.

Leben als Arme Schulschwester von Unserer Lieben Frau

Jede Schwester ist gefordert, ihr Gebetsleben und ihren spezifischen Dienst mit dem Leben in Gemeinschaft in Einklang zu bringen und diese drei Bereiche in Balance zu halten.

Entsprechend dem Charisma von Theresia Gerhardinger verpflichten wir uns, die Sendung Jesu Christi weiterzutragen, und erfüllen diesen Auftrag in der Kraft des Heiligen Geistes
„vor allem durch unser Bemühen um Einheit, unser Leben in Gemeinschaft, unseren auf Erziehung ausgerichteten Dienst, durch unser gemeinsames Suchen und Erfüllen des göttlichen Willens.“ (Lebensregel Ihr seid gesandt, Prolog)

Einheit

Mutter Theresias Charisma zufolge ist es unsere Sendung, uns einzusetzen für die Einheit, um derentwillen Jesus gesandt war.
Zu dieser Einheit tragen wir bei, indem wir den Dialog als Lebensweise einüben.
In unserem persönlichen und gemeinsamen Bemühen um Bekehrung und Versöhnung weisen wir über uns hinaus auf die Liebe des dreieinigen Gottes und geben Zeugnis davon.

Mutter Theresia, die die Einheit aller in Gott ersehnte, rang um Einheit in unserer internationalen Kongregation. Christus als die Mitte unserer Gemeinschaft, als Quelle der Einheit feiern wir in der Eucharistie, die uns drängt, Einheit unter uns Schwestern und mit allen Menschen zu leben.
Lebensregel:
Je mehr wir durchdrungen werden von dem Verlangen Jesu, dass alle eins seien, umso umfassender wird unser Bemühen um die Einheit aller Menschen und der ganzen Schöpfung. (K 9)
Urquell und Ausdruck der Liebe und Einheit, die wir für unsere Gemeinschaft und für die Welt erstreben, ist die Eucharistie. (K 33)
Generalkapitel:
Vereint mit der Selbsthingabe Christi an den Vater im Heiligen Geist, sind wir bereit, auch uns hinzugeben und Brot zu sein, das gesegnet, gebrochen und geteilt wird für das Leben der Welt. (2007)

Der Dialog ist zum einen Mittel zur Klärung, zum anderen die Grundlage für Konsensentscheidungen. Er erfordert in allen Phasen eine Haltung des Hörens und der gegenseitigen Achtung.
Der Dialog trägt wesentlich dazu bei, Einheit zu erlangen bzw. zu stiften.
Im Sinne unserer Gründerin reagieren wir auf die drängenden Nöte unserer Zeit, indem wir unseren Dienst auf Erziehung und Bildung ausrichten und den Armen den Vorrang geben. Dabei gilt es hellhörig und aufmerksam wahrzunehmen, was jeweils die Zeichen der Zeit sind.
In regelmäßigen Abständen sind wir im Generalkapitel* gefordert, unser Tun mit Blick auf unseren Sendungsauftrag zu überdenken und uns im Rahmen des Charismas Mutter Theresias neu auszurichten.
So entwickeln wir die Spiritualität unserer Gemeinschaft weiter.

Der Dialog als Hören aufeinander im gemeinsamen Suchen nach der Wahrheit ist die Grundlage für unser Leben in geistlicher Gemeinschaft.
Lebensregel:
Wir pflegen eine Haltung des Dialogs, um immer mehr zu einer Gemeinschaft zu werden, die eines Herzens und Sinnes ist. (GD 2)
Unter Mitwirkung aller suchen wir nach gemeinsamen Entscheidungen, die es uns ermöglichen, die Frohe Botschaft zu verkünden, die Einheit zu fördern und einander zu helfen, zur Vollendung in Christus zu gelangen. (K 20)

Generalkapitel:
In Treue zu unserem Charisma der Einheit in Verschiedenheit verpflichten wir uns, den Dialog als eine Lebensweise einzuüben, die uns hilft, uns selbst und die anderen in neuem Licht zu sehen, und die uns zu Bekehrung, Versöhnung und Heilung führt. (2012)

Mit unserem Leben möchten wir Zeugnis geben für Gottes Liebe zu den Menschen, die in Christus sichtbar geworden ist, und für sein Wirken an und mit uns Menschen.
Lebensregel:
Prophetisch verkünden wir den Vorrang des Gottesreiches, das schon unter uns und immer noch im Kommen ist. (K 12)
Generalkapitel:
Als Frauen der Hoffnung setzen wir Tag für Tag unser Leben ein für jene Einheit, um derentwillen Jesus Christus gesandt war. (2002)
Wir verpflichten uns, die kontemplative und prophetische Dimension unseres Lebens zu vertiefen, indem wir alles, was wir sind und tun, in der Liebe des dreifaltigen Gottes begründen. (2012)
Mutter Theresia:
Liebe ist das Kennzeichen, wodurch die Welt überzeugt werden soll, dass wir an Jesus glauben.

Gemeinschaft

Unser Leben in geistlicher Gemeinschaft bedeutet für uns eine lebenslange Aufgabe, Gemeinschaft zu formen.
Unsere Gemeinschaft wird mitgeformt und bereichert von der Kultur, in der wir leben, und von der jeweiligen Ortskirche geprägt.
Gleichzeitig sind wir Teil einer internationalen Gemeinschaft, im Charisma verbunden mit Schulschwestern auf der ganzen Welt.

Lebensregel:
Das Leben in unserer geistlichen Gemeinschaft ist ein Geben und Empfangen von Liebe und Achtung; wir leben miteinander in Vertrauen und Offenheit, in Ehrlichkeit und Vergebung. (…) Es bleibt für uns eine lebenslange Aufgabe, Gemeinschaft zu formen. Sie aufzubauen und täglich zu erneuern, bringt Freunden und unvermeidliche Spannungen; beide bejahen wir. (K 7) Wir alle stehen lebenslang in einer Entwicklung, im Sein und doch immer im Werden. Wir leben in Gemeinschaft und begegnen einander so, dass wir werden können, wozu uns Gott geschaffen hat. Die echte Entfaltung jeder Schwester vergrößert sowohl die Vielfalt als auch die Möglichkeit zu tieferer Einheit. (K 45)
Jedes neue Mitglied bringt sich selbst als Gabe und ist für uns ein Anstoß zur Weiterentwicklung, zum ganz bewussten Hineingehen in die Zukunft. (K 44)
Christus ist die Mitte unserer Gemeinschaft, die Quelle unserer Einheit; im Heiligen Geist sind wir verbunden. (K 6)
Augustinus:
Miteinander plaudern und lachen, sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, gemeinsam schöne Bücher lesen, miteinander scherzen und sich gegenseitig Achtung schenken, bisweilen Meinungsverschiedenheiten austragen, aber ohne Hass, einander belehren und voneinander lernen, die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Rückkehrenden freudig begrüßen: Durch solche und ähnliche Zeichen einander in Bewegung versetzen, so dass aus den vielen eine Einheit wird. (Bekenntnisse IV 8, 13)
Vater Job:
Die Gemeinschaft ist aber nicht ein Mittel für etwas anderes, sie ist ein Wert in sich, ist Abbildung göttlicher Einheit, lebendige Verkündigung der dreifaltigen Liebe.

Das Charisma unserer Gründerin Theresia von Jesu Gerhardinger und eine gemeinsame Sendung verbinden uns Schulschwestern v.U.L.Fr. weltweit.

Lebensregel:
Die Internationalität unserer Kongregation wirkt sich aus auf unser ganzes Sein und Tun und ist für uns Hilfe und Herausforderung in der Erfüllung unserer Sendung. Die Mitgliedschaft in unserer weltweiten Gemeinschaft erweitert das Umfeld unserer Sorge und stärkt in uns die Bereitschaft, in unserem eigenen oder einem anderen Land mit Menschen verschiedener kultureller Herkunft zusammenzuleben

Sendung

Entsprechend unserem Sendungsauftrag suchen wir die Menschen zu einer Einheit untereinander wie auch zu einer Einheit mit Gott und der ganzen Schöpfung zu führen.
Überzeugt davon, dass Bildung die Welt verwandelt, sind wir als Arme Schulschwestern v.U.L.Fr. auf Erziehung und Bildung in einem umfassenden Sinn ausgerichtet. Wir machen die Sorgen der Armen zu unseren Anliegen, setzen uns ein für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

„Wir sind gerufen und gesandt.“, die Frohe Botschaft als Arme Schulschwestern v.U.L.Fr. durch unser Leben zu verkünden mit allem, was wir sind und tun.
Lebensregel:
Wir sind gesandt, Christus sichtbar zu machen durch unser Sein, durch die Liebe, den Glauben und die Hoffnung, die wir weiterschenken. (K 4) Wir bezeugen den Vorrang der Liebe Christi, die uns drängt, da zu sein für die Menschen in einer Weise, die heil und lebendig macht. (GD 16)
Für uns bedeutet Erziehung, die Menschen hinzuführen zu ihrer vollen Entfaltung als Geschöpf und Abbild Gottes, und sie zu befähigen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten. (K 22) Wir erziehen durch alles, was wir sind und tun. (K 23)
Generalkapitel:
Wir sind von Neuem überzeugt, dass das Apostolat der Erziehung und Bildung unsere Antwort auf den Schrei der Menschen und der ganzen Schöpfung ist. Deshalb setzen wir uns ein, dass alle eine Bildungschance erhalten, besonders jene, die ausgegrenzt und vergessen sind. (2007)

Mutter Theresia:
Wenn Einheit uns verbindet, gehen wir mit Wenigem zufrieden in die ganze Welt hinaus …, (denn) die Liebe kann nicht warten!

Armut zu leben, verlangt von uns Schulschwestern eine innere Haltung, die sich in unserem Umgang mit den Dingen widerspiegelt. In Solidarität mit den Armen wollen wir einfach leben und uns für eine gerechtere Welt einsetzen.
Lebensregel:
Unseren Geist der Armut verwirklichen wir, wenn wir alle Dinge gemeinsam haben und einfach leben, wenn wir die materiellen, geistigen und geistlichen Güter dankbar empfangen und mit anderen teilen und der Schöpfung ehrfurchtsvoll begegnen. (K 16)
Durch unser Leben in evangelischer Armut als Arme Schulschwestern fühlen wir uns gedrängt, den Armen zu dienen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Ursachen der Ungerechtigkeit behoben werden, um eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und Liebe aufzubauen. (K 17)
Wir schließen niemanden von unserer Sorge aus, wenden uns aber vor allem den Kindern und Jugendlichen sowie den Frauen zu und fühlen uns gedrängt, den Armen den Vorrang zu geben. (K 24)
Augustinus:
Die Liebe hat Füße, da uns liebende Füße in die Kirche bringen. Die Liebe hat Hände, da liebende Hände sich zu den Armen hin ausstrecken. Die Liebe hat Augen, denn liebende Augen machen uns aufmerksam für die Menschen in Not. (Sermo 1 Jo 7,1)
Vater Job:
Nur wer alles aus der Hand gibt, zeigt, dass er etwas erwartet. Man kann immer nur mit einer leeren Hand nach etwas greifen. Eine Hand, die Besitz festhält, kann nicht ausgestreckt werden nach Neuem. Armut, das ist verwirklichter Glaube. Armut, das ist die sichtbare Gestalt der Hoffnung. Armut, das ist der Ausdruck vertrauender Liebe. Aus Glaube, Hoffnung und Liebe aber wächst der Mut, für Gottes Reich zu arbeiten.

Gemäß dem Charisma Mutter Theresias und im Wissen um die Zusammenhänge von Ausbeutung und Verlust von Lebensqualität bemühen wir uns um eine rechte Beziehung – zur Schöpfung und zu den Menschen.
Lebensregel:
Wir begegnen der Schöpfung ehrfurchtsvoll und betrachten alles als Gabe und uns selbst als Verwalter dessen, was uns anvertraut ist. (K 16)
Generalkapitel:
Wir verpflichten uns, miteinander in größerer Einfachheit, verantwortungsbewusst und mit Rücksicht auf die ganze Schöpfung zu leben. (2012)
Shalom: Wir geben im 21. Jahrhundert mit Mut und voll Hoffnung Zeugnis vom Evangelium, indem wir mitwirken, gerechte Beziehungen aufzubauen und Antwort zu geben auf die drängenden Nöte unserer Zeit.

Mit Gott unterwegs

Für unser persönliches geistliches Leben wie für unsere Gemeinschaft insgesamt ist der Wille Gottes Richtschnur. Gebet, Besinnung und Dialog helfen uns, seinen Anruf an uns zu erkennen bzw. zu verstehen und die richtige Antwort darauf zu geben.
In unserem Gebetsleben sind uns das gemeinsame Stundengebet, die Betrachtung der Heiligen Schrift, das persönliche Gebet und die Eucharistische Anbetung besonders wertvoll. Zeichenhaft für die Einheit, die wir für unsere Gemeinschaft und die Welt erstreben, ist die Eucharistiefeier.
Lebensregel:
Zutiefst bekennen und bejahen wir im Gebet, wer Gott ist und wer wir sind: er unser Schöpfer und wir seine Geschöpfe, die er bedingungslos liebt. (K 28) Die Heilige Schrift, das lebendige Wort Gottes, ist entscheidend für unser Leben und Beten. (K 31)
Augustinus:
Du treibst den Menschen an, dass er seine Freude daran finde, dich zu loben, denn auf dich hin hast du uns gemacht, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir. (Bekenntnisse I 1,1)
Mutter Theresia:
Das Gebet ist für unsere Seele das notwendigste Element, wie für den Fisch das Wasser.
Maria ist uns Vorbild in ihrer Haltung des Hörens, in ihrer Bereitschaft, das Wort Gottes aufzunehmen, es in ihrem Herzen zu bewahren, selbst dann, wenn sie Gottes Handeln nicht verstehen konnte, und in ihrem Vertrauen, sich Gottes Führung zu überlassen.

Lebensregel:
Maria, die Mutter der Kirche und unserer Kongregation, fordert uns liebevoll auf: „Was er euch sagt, das tut.“ (Prolog) In unserer Haltung des Hörens und der Offenheit folgen wir ihr. (K 32)

Mutter Theresia:
Wir tragen alle den Namen Maria und sollen und wollen deshalb auch (…) dieses ihres und unseres Namens uns würdig erzeigen.

Gemeinsames Anliegen ist es uns, das Charisma Mutter Theresias für unsere Zeit wirksam weiterzugeben. Jede einzelne Schwester prägt mit, was von dieser Spiritualität erfahrbar wird, – abhängig von ihrer Persönlichkeit, beeinflusst von den Lebensumständen und in Reaktion auf die jeweiligen Herausforderungen wächst sie in die Spiritualität hinein.
Spiritualität ist somit etwas, was lebendig ist und Leben gibt.