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![]() Sr. Salome Strasser, Provinzoberin der Bayerischen Provinz, lud am 11. November zur diesjährigen SHALOM-Tagung ins Mutterhaus München ein. In ihrer Begrüßung drückte sie ihre Freude darüber aus, dass zahlreiche Schwestern, Kandidatinnen, Mitglieder der Weggemeinschaft und Studentinnen des Studentinnenheims am Anger der Einladung folgten. |
Ein besonderer Willkommensgruß galt der Referentin, Schwester Cathy
Arata. „Als Koordinatorin unseres internationalen
Schulschwestern-Shalom-Netzwerks wirken Sie vom Generalat in Rom aus
weltweit. Sie vertreten uns Schulschwestern in vielen
internationalen Gremien, arbeiten eng mit unserer Vertreterin bei
den Vereinten Nationen, Schwester Ann Scholz, zusammen und haben so
einen umfassenden Einblick in die derzeitige Lage unserer Welt, die
Situation der Menschen und der Schöpfung.“
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Den „Schrei der Schöpfung“ führte sie in einer eindringlichen PowerPoint-Präsentation mit aussagekräftigen Bildern und aufrüttelnden Informationen vor Augen und griff dabei drei Gesichtspunkte heraus: Klimawandel, Regenwald und Wasser. Dazu einige Beispiele: |
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| • Ein wärmeres Klima erzeugt z. B. heftigere Stürme, die zu zunehmender Küstenerosion führen. |
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Der Ilulissat-Gletscher in Grönland, ein Weltkulturerbe der UNO, das man als eines der Weltwunder betrachtet, ist in nur wenigen Jahren um mehr als 10 km geschrumpft. Dies ist eines der alarmierendsten Beispiele für die Erwärmung der Arktis. |
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• Regenwälder, „die Lungen des Planeten“, bedeckten einst 14 % der Landfläche unserer Erde, nun sind es nur noch 6 %. |
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| Das nationale Krebs-Institut der USA hat 3.000 Pflanzen
ermittelt, die Krebszellen wirksam bekämpfen können; 70 % davon sind im Regenwald. 255 der wirksamen Bestandteile in heutigen Mitteln zur Krebsbehandlung kommen aus Organismen, die nur im Regenwald zu finden sind. |
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| • Ungefähr 97 % des Wassers auf der Erde ist Salzwasser, also kein Trinkwasser für den Menschen. Weniger als 1 % des gesamten Süßwassers ist für unseren Gebrauch verfügbar, das meiste Süßwasser ist Polarschnee und Polareis. | |
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Zurzeit wirkt sich der nicht ausreichende Zugang zu sauberem Trinkwasser für über eine Milliarde Menschen gesundheitsschädigend aus. |
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![]() mit freundlicher Erlaubnis Gary Braasch Photography http://www.worldviewofglobalwarming.org |
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| In ihrem anschließenden Referat nannte Sr. Cathy vier Herausforderungen, vor die uns der „Schrei der Schöpfung“ und die Dokumente der Kongregation stellen. | |
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• Die erste Herausforderung ist, die Kontemplation des gesamten Lebensnetzes zu vertiefen und in Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Lebens zu stehen. Das bedeutet, dass wir die Schöpfung „mit neuen Augen“ betrachten und uns selbst und den Menschen als integrierten Teil des Lebensnetzes sehen und nicht als „etwas Zusätzliches“. |
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• Die zweite Herausforderung ist, daran zu glauben, dass wir wirklich eine ökologische Krise haben, einen Zusammenbruch von Beziehungen zwischen dem Menschen und der übrigen Schöpfung, und ganz bewusst so zu leben, dass diese Beziehungen wieder gesunden und befriedet werden können. Dies verlangt eine Änderung des LEBENSSTILS. |
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• Die dritte Herausforderung ist, sich für die Schöpfung einzusetzen und dafür Lobby-Arbeit zu betreiben. Es bedeutet, dass wir uns selbst und andere über ökologische Themen informieren und auf dem Laufenden halten. Es bedeutet, dass wir aktiv mitwirken und nicht nur „Beobachter/innen“ sind, indem wir aufmerksam verfolgen, was die Regierungen und multinationalen Firmen tun und wie sich dies auswirkt auf die Beziehungen zwischen dem Menschen und der Schöpfung. |
![]() Dorothy Stang
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• Die vierte und vielleicht schwierigste Herausforderung ist, prophetische Mystikerinnen zu werden. Ich bin davon überzeugt, dass unser Aufruf, „die gesamte Schöpfung zu achten“, und unser Aufruf zu einem „wirklich einfachen Lebensstil“ ein Anruf ist, mystisch und zugleich prophetisch zu sein. Dies ist nicht etwas, das wir wählen, sondern etwas, wozu wir gerufen sind. „Prophetisch hat etwas zu tun mit der Feststellung, was in einer Kultur den Tod bringt, und es zu hinterfragen, indem man öffentlich und laut die Ungerechtigkeit und die Gewalt des Systems beklagt, indem man die Erinnerung an Gottes Zusage wachruft und Hoffnung auf eine alternative Zukunft weckt.” (aus: „Verkaufe alles“ von Sr. Sandra Schneider) |
| (Dorothy
Stang (* 7. Juni 1931 in Dayton, Ohio, USA; † 12. Februar 2005 bei
Anapu, Bundesstaat Pará, Brasilien) war eine brasilianische
katholische Ordensschwester und Umweltaktivistin US-amerikanischer
Herkunft. Dorothy
Stang gehörte dem Orden der „Soeurs de Notre Dame de Namur"
(Schulschwestern Unserer Lieben Frau von Namur) an. |
| Reger Austausch folgte in Gruppen zu den Informationen und Anregungen des Vormittags, im Plenum wurden Rückmeldungen gegeben und Fragen gestellt. |
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| Nach dem Mittagessen und einer kurzen Mittagspause ging es zum 2. Teil des Themas: „Der Schrei des Gottesvolkes“. Sr. Cathy sagte, dass dieser Schrei nichts Neues sei. „Es ist der Schrei der Menschheit, der seit Beginn der Menschheit gehört und auch ignoriert wird. Es ist der Schrei der Armut und des Hungers, der Schrei der ungleichen Behandlung, der Schrei des Hasses und der Spaltung.“ Sie lud ein, sich in dieser Welt etwas umzuschauen und diesem Schrei das Ohr zu öffnen, und zeigte dazu eine beeindruckende, teils schockierende/aufrüttelnde PowerPoint-Präsentation. |
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1,2 Milliarden Menschen leben in extremer Armut. |
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820 Millionen Menschen gehen jeden Abend hungrig zu Bett. |
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25 % der
Kinder im Volksschulalter gehen nicht in die Schule |
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Zwei Drittel aller Frauen der Welt sind Analphabeten |
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Alle drei Sekunden stirbt ein Kind |
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Jede
Minute stirbt eine Mutter |
| In ihrem anschließenden Referat wies Sr. Cathy darauf hin, dass wir in einer brüchigen, gespaltenen Welt leben. | |
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„Es ist eine Welt, in der sich ein massiver Zerfall von Beziehungen vollzogen hat und immer noch vollzieht – ein Zerfall von Beziehungen in den Familien, innerhalb der Kulturen und zwischen Kulturen, Völkern und ihren Regierungen, zwischen verbündeten Nationen, ein Zerfall von Achtung und Beachtung internationaler Vereinbarungen und multilateraler Institutionen, die gegründet wurden, um in unserer Welt Frieden und Stabilität zu sichern zwischen Besitzenden und Habenichtsen, zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West. Es ist auch ein Zerfall unserer Beziehungen (als Menschen) zur Erde und schließlich auch ein Zerfall unserer Beziehung zu Gott, dem Schöpfer.“ |
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Wie wir als Christen, als Arme Schulschwestern v.U.L.Fr. darauf antworten, stellte sie als Frage in den Raum. Fragen grundsätzlicher Art, in denen es um unsere Beziehungen geht, um die Beziehung zu Gott, zueinander und zur ganzen Schöpfung, müssen uns in eine neue Weise des Seins in der Welt führen, in eine neue Weise, mystisch und prophetisch zu sein. Dies gelingt uns nur, wenn wir uns des zentralen Themas des Evangeliums immer mehr bewusst werden, wie es der Papst in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ dargelegt hat oder wie es in der Lebensregel von uns Schulschwestern heißt: „dass Gott uns mit seiner Gnade reich beschenkt und dass auch wir gerufen sind, diese Liebe einander weiter zu geben.“ |
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Sr. Cathy führte dazu aus: „Dieses Haltfinden im göttlichen Leben, dieses ganz leer vor Gott Stehen, ist nicht etwas, das wir tun; es ist etwas, das an uns geschieht. An uns liegt es, eine Haltung des Wartens, der Offenheit, des Leerseins zu erwerben, damit es einen Raum gibt, in den Gott kommen kann. Es bedeutet, wach und hellhörig sein, damit wir, wenn Gott kommt, das Ereignis oder die Begegnung nicht verpassen. … Bei all dem werden wir nicht aus der Welt genommen, sondern vielmehr in ihr Zentrum und gleichzeitig an ihren Rand gestellt. Es ist in der Tat ein Balance-Akt: ganz in der Welt stehen und in ihr eingetaucht sein, und gleichzeitig von ihr nicht absorbiert werden.“ |
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In ihren weiteren Ausführungen lenkte Sr. Cathy unsere
Aufmerksamkeit auf den Begriff „Solidarität“, der auf der Website
des Vatikans an 1.844 Stellen zu finden ist, was seine große
Bedeutung zeigt. “Solidarität ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das ‚Gemeinwohl’ einzusetzen, das heißt, für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich sind.“ (Sollicitudo Rei Socialis, Nr. 38) |
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Sr. Cathy
erläuterte dazu, dass eine Verpflichtung zur Solidarität den Kopf
genau so wie das Herz fordert, das Mitleiden unseres Herzens genau
so wie das Mitdenken unseres Verstandes. Sie verlangt die Frage,
warum die Dinge so sind, wie sie sind, und wie sie geändert werden
könnten. Wir handeln solidarisch, wenn wir den Hungernden etwas zu
essen geben, und wir handeln solidarisch, wenn wir uns einsetzen für
wirtschaftliche, politische und soziale Themen, in denen es um
Hunger und das menschliche Grundrecht auf Nahrung geht. Solidarität wird möglich, und das Leben eines radikal einfachen Lebensstils wird möglich, weil wir in Gott und der Erfahrung seiner grenzenlosen Liebe verankert sind. |
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Wie am Vormittag
folgte ein Austausch in Gruppen und die Rückmeldung im Plenum. Mit
einer Vesper, die inhaltlich auf die Thematik abgestimmt war, endete
die Tagung. Teilnehmerinnen äußerten sich dankbar für diesen Tag, der das Bewusstsein für globale Zusammenhänge und Verantwortung vertiefte und zu einer Änderung des Lebensstils aufrief. |
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