Fest der Begegnung 2011

Wer sehnt sich nicht danach - Sternstunden zu erleben. Das diesjährige Fest der Begegnung bei den Armen Schulschwestern im Angerkloster lud direkt dazu ein: Sternstunde für Dich und mich!
Kein Wunder, dass sich viele Teilnehmerinnen auf den Weg gemacht hatten, um miteinander solchen Sternstunden nachzuspüren und sie zu feiern.
   

Schon beim ersten Blick in die Eingangshalle lud die glanzvolle Dekoration ein, sich einstimmen zu lassen.


Den Auftakt bildete traditionsgemäß das schwungvolle Sing-In, dabei begrüßte die Gastgeberin, Provinzoberin Schwester Charlotte, alle Teilnehmerinnen aus nah und fern. Sie stellte nicht nur die Gruppen vor, die aus den verschiedensten Ecken Bayerns nach München gekommen waren, sondern nützte auch die Gelegenheit, um zwei Jubilarinnen zu beglückwünschen: Christina und Julia aus Neunburg sind heuer das 10. Mal dabei!! Dafür durften die beiden gleich als Erste aus der Liedbox die Liednummern ziehen, die dann schwungvoll und lautstark im Vestibül erklangen.

   
Beim Eröffnungsabend gelang es Schwester Christine und Schwester Renate, alle Teilnehmerinnen in Bewegung und zur Begegnung zu bringen:

   
• indem einzelne Sternstaubfunken sich zu unterschiedlich großen Sternen formieren sollten

• als in verschiedenen Stationen und Methoden Sternstunden der Menschheit, der Medien,
in Familie und Freundeskreis, in der Kirche bzw. im Glaubensleben gesammelt und dann äußerst abwechslungsreich der Großgruppe präsentiert wurden:
als Montagsmaler und Dingsda-Umschreibungen,
als Pantomime, Erzählgeschichten (mit bestimmten Wortvorgaben) und sogar als Rap (zu einer Sternstunde des Glaubens), den wir hier nicht vorenthalten wollen:
Es war einmal da draußen in einsamer Nacht
da haben sich zwei Menschen auf den Weg gemacht
sie waren nicht allein – der Esel war dabei
und ich kann euch sagen, es war nicht im Mai
und der Weg ging auch nicht nach Hawaii
In dieser Nacht gab’s ein großes Geschrei
Am Himmel, da war was Besonderes los
die Fete feiern wir heute noch groß


• wenn man im gemeinsamen Singen und Tanzen mit vielen andern in Kontakt kam.
   
In einer singenden und summenden Wallfahrt von der Turnhalle zum Grab der seligen Mutter Theresia kamen alle gegen halb zehn abends in der Kirche an und ließen sich auf eine Reise zu den wichtigen Stationen im Leben dieser außergewöhnlichen Frau entführen. Erzählungen und Originalzitate der Ordensgründerin der Armen Schulschwestern nahmen uns hinein in ihre Welt, und so verstanden wir etwas mehr von ihrem Wunsch, den Armen eine Chance auf Bildung zu eröffnen. Nach und nach hatte sich das Grab in ein Sternenmeer verwandelt, und am Ende bekam jede selbst einen funkelnden Stern mit einem Ausspruch Mutter Theresias als Stärkung für ihren Alltag mit auf den Weg.

Während sich einige danach direkt in ihre Schlafsäcke kuschelten, machten die Nachtschwärmer noch ein bisschen das Kloster unsicher, und so kam für die ein oder andere der Morgen doch überraschend früh.

Gestriegelt und gefrühstückt trafen sich dann alle beim Morgenlob in der Sporthalle wieder, das die Missionarinnen auf Zeit gestalteten. Schockierende Bilder einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt und der Wunsch, selbst Brücke zwischen unserer und der „uns fremden“ Welt zu sein, veranlassten den ganzen Saal zu einem ausgelassenen afrikanischen Einheitstanz.
   
Anschließend ging es in die angebotenen Workshops:
Sternstunden-Tagebuch

In unserer Gruppe erhielt jede zuerst ein Briefkuvert, in welchem sich Buchstaben befanden, die den Namen einer Teilnehmerin ergaben. Diese stellte sich dann vor und erzählte ein wenig von sich.
Bei der Bibelarbeit über die Heilung einer gekrümmten Frau am Sabbath machten wir selber die Erfahrung, wie es ist, so gekrümmt, mühsam zu gehen, ausgegrenzt zu sein, keinen freien Blick nach vorn mehr zu haben … hinterher kamen wir dann ins Gespräch über diese Erfahrung und formulierten als Abschluss ein eigenes Gebet (das war ganz schön schwer).
   
Sternstunden-Uhr

Wir erhielten eine Sternenkarte mit unserm Namen darauf und einem schönen Text drin, da war dann aber auch noch eine Seite frei, auf die wir eine persönliche Sternstunde mit Gott aufschreiben konnten. Dann erhielten wir verschiedene Bibelstellen zur Auswahl vorgeschlagen und konnten uns eine raussuchen, mit der wir uns dann ausgiebiger beschäftigten.
Das Gestalten der Uhr war sehr schön, es war sehr ruhig bei uns und wir waren ganz vertieft in die Arbeit.
   
Kloster intern
Nach einer Vorstellrunde und Kennenlernspielen haben wir zentrale Begriffe unserer Bibelstelle erhalten, um sie pantomimisch zu zeigen und von den andern erraten zu lassen (gar nicht so einfach, so was wie „Herrlichkeit“ ohne Worte darzustellen!!) Dadurch wurde auf z.T. recht heitere Weise der doch etwas anspruchsvolle Jesajatext erschlossen.
Und dann ging’s bei uns natürlich rund um’s Kloster. Wir durften alles fragen und sowohl die beiden Schwestern als auch die andern Schwestern, denen wir auf unserm Rundgang durchs Kloster begegneten, beantworteten geduldig und sehr offen alles, was wir wissen wollten. Die beiden haben das echt toll gemacht. Wir bekamen viel Einblick und sahen sogar ein Schwesternschlafzimmer, waren im Büro der Provinzoberin, durften den Bereich sehen, wo täglich die Obdachlosen zum Essen kommen. Wir sind aber auch selber aktiv geworden und haben Plätzchen gebacken (und auf die Art und Weise auch gleich noch die Großküche mit den darin tätigen Schwestern kennen gelernt), die sollen die Obdachlosen bekommen und auch die Schwestern im Altenheim, die uns versprochen haben, für unsere Anliegen zu beten.
Zu guter Letzt haben wir noch in einem Quiz alles neu erworbene Wissen unter Beweis stellen können.
Ein spannender Workshop – vielen Dank.


     
  Stadtrundgang auf den Spuren Mutter Theresias
 


Am Vormittag versuchten wir uns in eine Sternstunde im Leben Jesu einzufühlen, als er nach seiner entbehrungsreichen, langen Zeit in der Wüste sich von Johannes taufen ließ und dann die Zusage Gottes erfuhr: Du bist mein geliebtes Kind – an dir habe ich mein Gefallen.
Gerade diesen letzten Satz ließen wir auch auf uns wirken – wie es sich anfühlt, wenn wir uns das von Gott zusagen lassen.
Nachmittags beim Stadtrundgang sind wir den Spuren Mutter Theresias nachgegangen, haben Orte aufgesucht, an denen sie selber oft war, als sie in der Gründungszeit mit kirchlichen und staatlichen Obrigkeiten viel zu tun hatte. Was uns Mutter Theresia heute sagen kann:
- es ist wichtig, sich nicht von Schwierigkeiten entmutigen lassen
- durchhalten
- sich bei Gott Kraft holen
 
     
  Fotoalbum mit Prägearbeit
  Unser Workshop begann mit einem Puzzle – es war genau für jede Teilnehmerin ein Puzzleteil da,
das zusammengesetzte Bild ergab dann das Themenbild vom Liedheft.
Dann sammelten wir im Gespräch, ob uns Bibelstellen überhaupt einfallen, in denen Sternstunden beschrieben werden bzw. Sterne drin vorkommen. Einige haben wir schon gefunden … ;-)
Dann schauten wir uns mit Bildern die Heilung des blinden Bartimäus näher an – das war für ihn sicher eine Sternstunde seines Lebens.
Mit der Prägearbeit haben wir dann z. T. schon vormittags angefangen, schließlich brauchten die Papiere des Fotoalbums eine ganz spezielle Faltung. Zum Prägen des Kupferblechs erhielten wir einige Anregungen, konnten dann kreativ weitergestalten. Gut, dass es für die Sache mit der Schwefelleber offene Fenster gab …
 
     
  Sternschnuppe / Leinwandcollage
 

Wir sammelten zuerst auf Zetteln unsere eigenen Gedanken und Erfahrungen z.B. zu Stichworten wie
… aufbrechen, sich auf den Weg machen; es war ganz spannend, dann zu entdecken, dass diese Geschichten, die sooo lang her sind, auch heute noch total aktuell sind.
Für die Gestaltung der Collage auf Leinwand standen uns viele verschiedene Materialien zur Verfügung, Acrylfarben, Glitzer, Steine …


 
 
   
Theater

Wir hatten als Bibelstelle eine ganz klassische Sternerzählung: wie die Weisen aus dem Morgenland einen Stern aufgehen sehen, ihren Weg an diesem Stern ausrichten und in Jesus dann das Ziel ihres Weges finden.
Mit verschiedensten Materialien legten dann auch wir Wege, Wegkreuzungen … um den eigenen Lebensweg ein wenig in den Blick zu nehmen.

Auf der Grundlage der Erzählung des kleinen Prinzen, der auf seiner weiten Reise auf die Erde ja vielen seltsamen Gestalten begegnet, entwickelten wir dann ein Theaterstück, in welchem wir ähnliche Begegnungen in die heutige Zeit, genauer gesagt in die Münchner U-Bahn, verlegten und aktualisierten.
Schließlich gibt es auch heute noch Menschen, die ganz fixiert auf eine einzige Sache sind und das Wesentliche aus dem Auge verloren haben … und welch eigenartige Zufälle dann dazu führen können, dass Menschen sich wirklich begegnen.
Die vielen sprühenden, kreativen Ideen umzusetzen machte unheimlich Spaß!
   

Beim gemeinsamen Liederabend im Jakobussaal erwartete uns ein Überraschungsgast. Lange habe man im Vorbereitungsteam überlegt, wen aus der Welt der Stars und Sternchen man für diesen Abend einladen solle, habe Lena Meyer-Landrut, Herbert Grönemeyer und Justin Biber erwogen, aber schließlich doch die zündende Idee gehabt und Pater Norbert Becker eingeladen. Dies sollte sich als gute Wahl herausstellen, denn der lockere Kirchenmann brachte mit seinen selbst komponierten Liedern, sei es durch frei improvisierten Ober- und Unterstimmen oder lateinamerikanischen Rhythmen, den ganzen Saal in Schwung. Er sprach allen Mut zu, einfach mal drauflos zu singen, Noten seien schließlich sowieso nichts weiter als gut gemeinte Empfehlungen.
   

Im Anschluss gingen wir zur Nacht der Lichter. Die Stille der Kirche wurde immer wieder abgelöst von lautem Singen, und der Zauber aus Dunkelheit und Licht ließ nun auch die leisen Töne zum Tragen kommen. Auf einer Zeitreise zu Personen, die anderen Menschen Sternstunden bereiteten, kamen wir zu Johannes Paul II, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, aber auch zu Mutter Theresia, Franziskus, Benedikt, Augustinus, Petrus und Maria und schließlich zu Jesus. Ein Jünger saß da verzweifelt vor dem Kreuz Jesu, und mit ihm wurden wir eingeführt in das Geheimnis der Eucharistie, wo uns Jesus in Gestalt des Brotes begegnen will. „Du darfst zu mir kommen, wie du bist, denn ich liebe dich“, ist die Botschaft, die er uns allen zuspricht.
 
   
Ein anderes kulturelles Highlight wurde uns mit der Aufführung des Theater-Workshops geboten. So durften wir alle dem kleinen Prinzen in der Münchner U-Bahn begegnen, zusammen mit einem Börsenmakler, einem DS-spielenden Jugendlichen, einem Model mit seinem Agenten und einem Penner, die alle blind geworden waren für die Menschen um sie herum; sie alle entdeckten mit Hilfe des kleinen Prinzen ihr Herz wieder, als plötzlich der Stromausfall in der U-Bahn zur Sternstunde aller wurde. Eine bezaubernde Geschichte, die vielleicht schon morgen in deinem Bus oder deiner U-Bahn passiert.
   
Bei leckeren Schmalzbroten mit Schnittlauch ging’s dann zum gemütlichen Teil des Abends. Pater Nobert Becker begleitete schwungvoll alte Schlager und neue Lieder auf dem Klavier, sodass bald kein Halten mehr war und alle mitklatschen, wippten und aus voller Kehle mitschmetterten.
   
Am Sonntagmorgen feierte Pater Stefan Stöhr mit uns den festlichen Abschlussgottesdienst. Singend und betend wurde diese Stunde noch für alle zu einem besonderen Erlebnis.


   


Wie es ganz praktisch funktioniert, nicht nur Sternstunden zu erwarten, sondern auch anderen zu Sternstunden zu verhelfen, erklärte Pater Stefan Stöhr in der Predigt: Das sind oft die kleinen Dinge, z.B. jemandem zu sagen: „Du gehörst dazu“ oder „Ich höre dir zu“, gut über andere zu reden, ein Stück Weg mitzugehen, jemanden zu besuchen oder sich trauen zu sagen: „Ich bete für dich“.
   

Nach der Predigt wurden 5 Missionarinnen auf Zeit nach Gambia, Ghana, Rumänien und Peru ausgesandt, wo sie ein Jahr lang das Leben der Schwestern vor Ort teilen und in Solidarität mit den Armen leben werden. Wir wünschen ihnen für diese Zeit bereichernde Sternstunden und dass sie auch anderen solche bereiten können.
Auch zwei ganz treue FdB-Teilnehmerinnen wurden an dieser Stelle geehrt, da sie bereits zum 10. Mal dabei waren.
   

Die Neunburger Gruppe schenkte allen Anwesenden ein kleines Schatzsäckchen und lud ein, die Sternstunden dieses FdBs auf kleine Zettelchen zu schreiben und als Erinnerung aufzubewahren.

   
Am Ende wurden wir am Grab Mutter Theresias wieder in unseren Alltag entlassen mit der Sendung, für andere zur Sternstunde zu werden.
   
Nach einem gemeinsamen Brunch war es dann Zeit, sich wieder auf die Socken in Richtung Heimat zu machen. Die ein oder andere merkte etwas wehmütig an, dass das „Fest der Begegnung“ mal wieder viel zu schnell vorbeigegangen war.