Hallo an alle Sonnenkinder,

in Brasilien scheint es langsam winterlich zu werden; das heißt, es regnet
und ist kühl. Weder in der Schule noch im Haus der Schwestern gibt es eine
Heizung, weil es ja doch nie so richtig kühl wird. Aber alle Brasilianer
scheinen gerne zu lüften, sodass in der Schule den Tag über die Fenster
oft geöffnet sind (vielleicht liegt das daran, dass hier so viele Bohnen
gegessen werden - jedes Böhnchen ein Tönchen!). Manche Kinder sitzen in
Mütze und Handschuhen im Unterricht.

Juhuu, ich habe eine Aufgabe gefunden: Ich gebe seit einigen Tagen
Nachhilfeunterricht in Mathe. Zuerst hat mich Schwester Eliete gebeten, ihr
zu helfen, weil sie bald eine Art Aufnahmeprüfung macht, die man hier
braucht, um die Uni besuchen zu können. Egal, was man studieren will, wird
man über alle Schulfächer geprüft. Seit gestern gebe ich auch Schülern
Einzelunterricht. Sechs Schüler je eine Stunde sind es bis jetzt. Aber ich
glaube, es werden noch mehr. Ich komme kaum nach, mir all die Begriffe zu
merken, die ich brauche; Tangens beispielsweise heißt hier tangente und
wird tg geschrieben, das finde ich irritierend. Ein rechtwinkeliges Dreieck
heisst triângulo rectângulo (jeweils auf -ân- betont), ich finde, das klingt
wie ein Dinosauriername. Manche Dinge werden auch anders geschrieben als in
Deutschland: Zum Beispiel sitzt der Malpunkt nicht in der Mitte des
Kästchens, sondern liegt auf dem unteren Rand wie "."! Wenigstens die
Zahlen schreiben sie gleich. Die Buchstaben sind es nämlich nicht immer: r
und z sind anders (alte Schrift) ein A sieht aus wie ein großes a, ebenso m
und n.
Also gehe ich zur Zeit vormittags in die Schule und hospitiere. Wir haben
hier die Klassen 1 bis 8 und eine Vorbereitungsklasse für die nächste
Schule. Nachmittags gebe ich ab jetzt drei Mal die Woche Nachhilfe.

Die Weltmeisterschaft (a copa do mundo) hält hier alle in ihrem Bann. So
sehr, dass der Augenblick genutzt wird, um zum Beispiel die Preise zu
erhöhen oder die Wahlen durchzuführen, weil sich gerade niemand für die
Kosten oder Politik interessiert. Auch die Krawalle in Sao Paulo sind kaum
im Fernsehen, Fußball ist den ganzen Tag über Thema. Zu den Spielen gibt
es bei uns Chamarao (ein lustiges Teegetränk) und gelb-grün gefärbtes
Popcorn. Und selbst falls man das Spiel nicht sieht, hört man an den
Silvesterkrachern, wenn ein Tor für Brasilien gefallen ist! Durch die WM
bekomme ich auch einen Einblick in die Sicht auf Deutschland aus Brasilien;
in einem Magazin stand, dass die gesamte WM 4,5 Milliarden Euro gekostet
hätte. Und dann: "Viel? Nein, Deutschland kann das." Es hat die
drittgrößte Wirtschaftskraft mit einem Bruttoinlandprodukt von 2,216
Billionen (kann das sein?) Euro im Jahr 2004. Das ist doch mal eine andere
Sichtweise als die ewigen Arbeitslosenzahlen!

Als ich einmal mit Schwester Bernadete unterwegs war, kam ein Junge
gelaufen, der in einer Kiste fünf Welpen gefunden hatte. Jemand hatte sie
ausgesetzt. Bernadete hat kurzerhand einen Hund dem Jungen mitgegeben und
den Rest ins Kloster mitgenommen, wo sie Milch getrunken haben bis sie mit
ihren dicken Bäuchen und auf den kurzen Beinen kaum noch laufen konnten.
Mittlerweile haben aber alle ein neues Zuhause gefunden. Leider, sie waren
sehr niedlich.

So, ich muss zur Schule. Eine Sache noch: Nachdem ich einige Mailboxen
gesprengt habe, indem ich Fotos an meine Familie gesandt habe, haben wir
eine andere Lösung gefunden: Sie sind auf
www.gutgsell.net (ohne Anmeldung
mit kurzer Ladezeit) zu finden!
Eure Nonne auf Zeit (gell, Mathias v.S.: Es heißt MISSIONARIN auf Zeit)