Frohes Neues und Krankenhausbericht!

Servus beisammen!

Wie schon vor langer Zeit versprochen, folgt eine Mail über meine Arbeit im Krankenhaus... wenn es auch länger gedauert hat, als ich eingeplant hatte.
Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass zwei Monate keine lange Zeit sind. Dazu kommt noch, dass mich meine Mutter besucht hat und ich in diesem Zeitraum nicht gearbeitet habe.

Bis jetzt habe ich einen Einblick in die Arbeit in der Notaufnahme, der Säuglingsstation, der Entbindungsstation und ein wenig in den Operationbereich (ich durfte bei einem Kaiserschnitt zuschauen) Ich arbeite hauptsächlich in Bereichen, die mit Kindern zu tun haben. Es gibt nur ein kleines Sprachproblem, weil die Kinder erst in der Schule Englisch reden und sich vorher auf Warray (der Sprache in diesem Teil der Philippinen) unterhalten. Bisher hatte ich aber nur mit Säuglingen zu tun und mit denen kann ich mich sogar auf deutsch unterhalten;) Aber auch die Erwachsenen reden kaum in Englisch. Für mich heißt das wenn ich in einer Gruppe bin, dass ich entweder nachfrage, oder ich warte, bis mich jemand anspricht. Und wenn ich ans Telefon in der Station gehe, werde ich erst auf Warray angesprochen, dann muss ich die Leute aufklären, dass sie bitte in Englisch mit mir reden, weil mein Warray sehr kläglich ist, daraufhin ist die Person recht verdutzt und frägt, ob sie vielleicht mit einer anderen Person reden kann. O.k. letzteres ist erst ein mal eingetreten. Die sind schon so nett und reden mit mir. Aber ich fand es lustig, dass ich jemanden mit Englisch erschrecken! kann.

Rettungsdienst in den Philippinen ist ganz anders. Das läuft ungefähr so wie bei und mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst. D.h. der Arzt wird als erster gerufen und der entscheidet dann, ob der Patient schnell ins Krankenhaus muss. Erst dann kommt der Rettungsdienst, der den Patienten ins Krankenhaus (KH) fährt. Bei Unfällen oder dergleichen fährt man selber ins Krankenhaus. Der Rettungswagen hat keine medizinische Ausstattung.
Eine kleine Geschichte dazu: in der Notaufnahme hatten sie einen Patienten, mit Schussverletzung (Oberkörper und Lunge), der vorher ins städtische KH eingeliefert worden war. Da es dort aber kein Röntgengerät gibt, wurde er in unser KH geliefert um dort ein Bild machen zu lassen. Die Operation sollte wieder im städtischen Krankenhaus stattfinden. Im priv. KH angekommen hörte der Patient zu atmen auf (ich weiß nicht wie viel Zeit dazwischen lag), wurde intubiert und beatmet. Röntgenbild wurde keines gemacht. Warum kann ich nicht sagen, aber als ich nachgefragt habe hieß es, er sei ja intubert. Aber ob das nur heißt, das der Zustand zum röntgen zu instabil ist, oder weil seine Überlebenschancen zu gering sind und man kein Geld ausgeben will, kann ich nicht sagen. Der Patient wurde intubiert- beatmet (aber ohne Sauerstoff) zurück ins städtische KH gefahren. Was die dort mit ihm gemacht haben weiß ich nicht, aber ich stelle mir eine Operation ohne Röntgenbild schwierig vor... In meinen Augen haben sie ihn hier schon für tot erklärt, weil sie nicht erwarten das er zahlen kann und das sonst von der Ärzteschaft getragen werden muss... Das führt mich zum nächsten Thema:
Versicherungen. Gibt es zwar, hat aber keiner. Nur die Leute, die es sich eben leisen können. Das ist ein Beispiel dafür, wer eh schon hat bekommt mehr und wer es eigentlich braucht nichts.
Ein CT-Scan muss vom Patienten selbst und im voraus gezahlt werden, weil es am teuersten ist. Ein Bild kostet ca. 74 Euro (kann mich jemand unter den medizinisch Tätigen aufklären, wie viel das in Deutschland kostet?) Dabei wird nur der Körperteil gescannt, der weh tut. In Deutschland wird der ganze Patient nach einem Verkehrsunfall durch das CT geschoben.
Pro Nacht kostet ein Standartzimmer 7 Euro. Es gibt noch Private Zimmer, wo man mit einem weiteren Patienten drin ist und eine Klimaanlage installiert ist, aber da kenne ich den Preisunterschied nicht. Für ein gutes Hotelzimmer zahlt man das fünffache. Ich weis Hotel und KH sind ein schlechter Vergleich, aber vielleicht hilft, das beim Abschätzen. Für die Leute hier ist es aber schwer so viel Geld zusammen zu bekommen (400 Pesos verdienen die meisten nicht mal an einem Tag und soviel kostet ein Zimmer).
Am praktischen Beispiel heißt das, dass man manchmal auf eine intensive medizinische Behandlung verzichten muss. Für Eltern ist diese Entscheidung manchmal sehr schwer. Wir hatten einen Säugling auf der Station, der ca. in der 22 Schwangerschaftswoche geboren wurde und somit eigentlich nicht lebensfähig ist. Kinder sind erst ab dem sechsen Monat überlebensfähig.
Die Ärzte haben dem Jungen 4 h zum überleben gegeben. Am nächsten Tag lebte er immer noch. Die Eltern hatten aber nicht die finanzielle Grundlage um eine ausführliche Behandlung gewährleisten zu können. Für sie stellt sich die Frage, wie viel sie investieren, für ein Kind das wenig Überlebenschancen hat. Am Enden haben sie kein Geld mehr und kein Kind. Eine Frage, die ich als Elternteil nicht entscheiden und deren Konsequenzen ich nicht tragen wollen würde.
Letztendlich hat der kleine acht Tage gelebt. Am Totensonntag geboren und am ersten Advent gestorben.

Was hier ganz anders ist als in Deutschland und woran wir uns wirklich ein Beispiel nehmen können ist das Legen von Zugängen. Die sind immer ordentlich. Fixiert wird das ganze mit einer Schiene und das bei jedem Patienten!

Und als letztes. Hier wird nur mit sterilen Handschuhen gearbeitet. Mir ist gelungen das sehr positiv auszudrücken. Aber ein Gedanke an alle, die im Gesundheitswesen arbeiten: überlegt euch mal in welchen Fällen mit sterilen Handschuhen gearbeitet wird. Das sind hier die gleichen. In allen anderen Fällen wird ohne gearbeitet!

Ich denk das reicht für den Anfang. Jetzt habt ihr schon mal einen kleinen Einblick in mein Arbeitsleben.

Ich wünsche euch ein schönes 2006 mit reichlich guten neuen Erfahrung!

Alles Gute!

Ingat (Take care)!

Natalia
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