Ciau!!


Ce mai faceţi? (Was macht ihr – Wie geht es euch) Mir geht’s gut! Ciau (Tschau) ist übrigens mein neues Lieblingswort. Das sagt man hier zur Begrüßung und Verabschiedung, also eigentlich immer J

Ich glaube diese Mail wir heute noch länger als die letzte, ich hab nämlich schon wieder so viel zu berichten. Und da ich fast so ein mitteilungsbedürftiger Mensch bin wie meine kleine Schwester (gell Bon), muss ich natürlich alles haargenau erzählen. Wobei ich mich sowieso immer versuche kurz zu halten. Aber dieses Mal werde ich einfach Überschriften machen und wem etwas nicht interessiert, der brauch das dann einfach nicht zu lesen. Los geht´s:

Weihnachten und Silvester
Es war ja mein erstes Weihnachten ohne Familie, aber die große Heimwehattacke blieb dann doch aus. Es kamen ja auch meine Eltern gleich danach für 2 ½ Tage zu Besuch. Im Kindergarten hatten wir auch eine Weihnachtsfeier mit den Eltern, bei der alle Kinder Gedichte gesagt haben und ein kleines Krippenspiel aufgeführt haben. Danach lag für jeden ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum (es waren Päckchen aus Deutschland, die in der ganzen Stadt an soziale Einrichtungen verteilt wurden). Der Weihnachtsbaum war typisch für hier: aus Plastik (ist noch nicht typisch), mit Kugeln in allen möglichen Farben, sozusagen alles, was man gefunden hat, dazu noch tonnenweise Lametta und eine bunte Lichterkette, die blinkt und Weihnachtslieder spielt! Ihr habt richtig gelesen, Weihnachtslieder, für meinen Geschmack war er ein bisschen zu kitschig. Im Kloster waren sie dann etwas schlichter. Ich hab dort dieses Jahr das Aufstellen der Krippe übernommen, denn in den letzten Jahren wurde diese einfach nur aus der Schachtel geholt und hingestellt und so geht das doch wirklich nicht. Als erstes brauchte ich mal Moos und wo bekommt man das in einer Stadt her? Aus dem Stadtpark! Ich hab zwar am Anfang eingewendet, dass dies bestimmt verboten ist, aber Sr. Letitia meint, hier ist es bestimmt nicht verboten. Also bin ich in den Stadtpark und hab mir Moos geholt (es haben mich nur wenige Menschen dabei beobachtet). Am 24. hab ich die Krippe dann mit allem Drum und Dran (Steinweg, Bäumen, Lagerfeuer...) aufgebaut. Um 5 Uhr am Nachmittag ging es dann bereits in die Christmette, danach Abendessen, kurzer besinnlicher Teil mit Weihnachtsevangelium, Bescherung und gemütliches Beisammensein mit Plätzchen und Glühwein. Anita und Sr. Marianna haben dann auch mit mir bis nach Mitternacht ausgehalten, wir haben gespielt und geratscht, weil ich gesagt habe, ich weigere mich früher ins Bett zu gehen, dass mach ich zuhause auch nie. Eine Besonderheit ist hier, dass den ganzen Abend Kindergruppen an der Tür klingeln, die Weihnachtslieder vorsingen und dann eine Kleinigkeit bekommen.

Am 2. Weihnachtsfeiertag waren dann in der Pfarrkirche die Krippenspiele einer Kindergruppe, der Jugendgruppe und der ungarischen Gruppe. Das musste sich natürlich angeschaut werden.

Am 27. kamen auch gegen Abend meine Eltern eingetrudelt. Dehnen hab ich dann am nächsten Tag gleich mal die Stadt gezeigt, wir haben fast alles abgeklappert, was es so zu sehen gibt. Am nächsten Tag ging es dann ein bisschen in die Umgebung. Ich hab den Fahrer gespielt (sie waren mit meinem Auto da) und freute mich, nach über 4 Monaten mal wieder am Steuer eines Autos zu sitzen. Meinen Eltern hat es sehr gut gefallen bei mir und vor allem mein Papa war vom Land sehr angetan, wobei der Kreis Timis jetzt nicht so viel zu bieten hat. Er überlegt sogar, ob er nicht noch einmal kommt. Am nächsten Tag traten sie auch schon wieder die Heimreise an.
Ja und dann stand auch schon Silvester vor der Tür. Dort bin ich sozusagen vom einen ins andere Kloster gewechselt. Zuerst hab ich hier mit den Schwestern gegessen und Glühwein getrunken, danach hab ich mich mit anderen Freiwilligen bei Pater Berno getroffen. Von dort aus ging es in die Innenstadt. Raketen und Kracher hat man ja schon seit Weihnachten immer wieder gehört, aber was an Silvester selber abging, war der Wahnsinn. Ab halb 12 wurde nur noch geschossen. Es war so laut, dass man sich nicht mehr richtig unterhalten konnte, über dem ganzen Platz lag eine dichte Rauchwolke. Es ging sogar eine der Weihnachtsbuden in Flammen auf. Wir hielten uns doch lieber ein bisschen abseits, um nicht in die Schusslinie zu gelangen. Aber um 00.15 Uhr war die meiste Munition verbraucht und es wurde wieder ruhiger. Am ersten Januar, ich ging gerade auf mein Zimmer, sah ich von meinem Fenster aus noch ein Feuerwerk in der Nachbarschaft. Und auch die Tage darauf hörte man hier und dort noch Geknalle. Der 2. Januar war hier auch noch frei und am Anfang konnte mir keiner sagen, warum dieser Tag noch ein Feiertag ist. Aber jetzt weiß ich es: Im Kommunismus wurde Neujahr mit großen Paraden begangen und die Leute bekamen am 2. noch frei, damit sie sich davon erholen konnten. Ab 3. Januar fing der Kindergarten wieder an, womit wir bei der nächsten Überschrift währen.

Kindergarten
Ja, was gibt es denn jetzt da neues zu berichten? Weihnachten wahren Ferien und auch in der ersten Januarwoche waren wenig Kinder, viele blieben zuhause, da die Schüler noch Ferien hatten. Wir haben diese Zeit auch zum Stöbern genutzt und ich hab mal alles Spielsachen in unserer Gruppe gründlich gewaschen. Ich glaube das ist bis dahin noch nicht geschehen. In der ungarischen Gruppe haben sie dann auch alles gewaschen, was ich ganz gut fand. Außerdem habe ich für unsere Gruppe einen Plan entworfen, wo wir jetzt eintragen, wer an welchen Tag für was zuständig ist (mit den Kindern aufräumen, Morgenkreis, wer Bastelt, wer spielt, wer bereitet vor). Diesen hab ich unserer Gruppenleitung gezeigt und sie war am Anfang gar nicht begeistert, vor allem weil ich wissen will, was wir an welchem Tag machen und das immer für eine ganze Woche. Ich hab ja schon mal geschrieben, dass in Rumänien die Erzieherinnen meistens alleine arbeiten und deshalb Absprachen überhaupt nicht gewohnt sind. Vieles läuft dadurch dann auch spontaner, weniger geplant ab, auch wenn sie einen Plan schreiben müssen, dieser ist aber sehr allgemein gehalten. Ich hab aber gemerkt, dass es bei mir ohne ein gewisses Maß an Absprachen nicht geht, weil ich mich dann einfach für alles auf einmal verantwortlich fühle und ich einfach wissen will, wann ich was machen muss oder auch machen kann.

Auch wenn der Erzieherin das gemeinsame Ausfüllen des Planes noch immer etwas schwer fällt und ich immer wieder fragen muss, wird es doch besser. Vor allem sagt sie mir jetzt öfters, was sie mit den Kinder vor hat. Seit meine Rumänischkenntnisse jetzt auch besser werden, können wir uns schon ein bisschen über die Kinder unterhalten. Also ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Zusammenarbeit immer besser wird. Und ich hoffe, dass jetzt kein falscher Eindruck von ihr Entsteht, sie ist nämlich echt sehr nett und es ist bestimmt auch nicht gerade leicht für sie, sich auf uns einzustellen. Manchmal fällt es mir schwer, die rumänische Bildungsweise zu akzeptieren. Dass hier alles viel mehr auf Theorie aufgebaut ist, damit hab ich mich etwas angefreundet und manches finde ich auch ganz gut. So werden die Sachen oft wiederholt und es wird den Kindern genau erzählt, was sie gerade lernen. Aber dass die Meinung / Vorgabe ist, Kinder von 3 – 4 Jahren dürfen höchstens 20 Minuten Sport machen (wir haben nur 1x in der Woche Sport) weil es sonst zu anstrengend für sie ist, dass hat mich dann doch wieder geschockt. Wo gerade Sport für die Entwicklung so wichtig ist! Wenn ich dann aber merke, dass manche meiner Arbeitsweisen auch auf die anderen übergehen, so finde ich dies immer sehr schön. Die Erzieherin der ungarischen Gruppe hat diese Woche zufällig bei unserer Turnstunde vorbeigeschaut und hat danach die Übungen am Kasten auch mit ihren Kindern gemacht.

Bewerbung für Kinderheim
Leider geht es bei der Bewerbung nicht so schnell vorwärts wie ich das gerne möchte. Ich wollte eigentlich berichten, dass ich jetzt schon nebenbei im Kinderheim arbeite. Das letzte Mal hab ich euch ja geschrieben, dass ich verschiedene med. Untersuchungen machen muss und dabei bin ich immer noch. Was ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist mich in Geduld zu üben, wobei mir das sehr schwer fällt und meine Geduld jetzt auch langsam zu Ende ist. Ich warte jetzt noch auf das Ergebnis meines Psychologietestes, welches ich aller spätestens am letzten Dienstag bekommen sollte. Aber irgendwer war krank und deshalb hat die Ärztin irgendeinen Stempel nicht bekommen (Stempel sind sehr wichtig, desto mehr desto besser) und es dauert noch, bis wann weiß sie nicht. Wenn ich dass endlich habe, kann ich die Bewerbung abgeben und dann dauert es natürlich wieder, bis ich bescheid bekomme wann und wo ich arbeiten kann. Langsam habe ich das Gefühl mir rinnt die Zeit davon. Aber jetzt kurz zu den med. Untersuchungen. Die konnte ich natürlich nicht alle an einer Stelle machen, sondern musste zu verschiedenen Stellen gehen. Erwähnenswert ist das Röntgen der Lunge. Anita hat mir zuvor genau erklärt, wo es ist und was ich machen muss. Also bin ich zu der Hütte am Rand vom Stadtpark gegangen. Dort stehen an der Tür Öffnungszeiten für Frauen und für Herren, aber keiner hält sich daran. Von außen sieht es auch nicht aus, als könnte man dort irgendwelche Untersuchungen machen. Nach der Anmeldung musste ich kurz warten, bevor ich mich im Umkleideraum freimachen konnte. Danach ging es ins nächste Zimmer, dort wartete der Arzt an einem Tisch, recht viel mehr Möbel waren in diesem Raum auch nicht. Ich musste noch einmal meinen Namen und meine Adresse angeben. Dann ging es ins Röntgenzimmer. Dort stand ein riesiger Kasten (mindestens 2x2x2 Meter), in dessen Mitte ich über zwei Treppen hinaufsteigen musste. Vor einem Fenster platziert, wurde meine Lunge geröntgt. Ich bekam eine Nummer und am nächsten Tag konnte ich mir das Ergebnis abholen, ein Stempel mit Unterschrift auf einem kleinen Zettel, wo mein Name draufgeschrieben wurde. Meine Mama hat bei ihrem Besuch gemein, in dieses Haus wäre sie freiwillig nicht hinein.

Beim Psychologietest musste ich unter anderem von 8 Bildern, auf denen Gesichter waren, immer die 2 Sympathischteen und die 2 Unsympathischteen heraussuchen. Die Bilder wahre bestimmt schon sehr alt und schwarz weiß. Ich dachte mir dabei nur immer, hoffentlich findest du keinen Massenmörder oder so sympathisch.

Ja und jetzt hoffe ich halt, dass ich euch das nächste Mal berichten kann, dass ich endlich dort arbeite! Drückt mir die Daumen.

Ausflug
Von Freitag 13.1. bis Sonntag 15.1. machte ich einen kleinen Ausflug oder Kurzurlaub. David, vom Konsulat war nur bis Mitte Januar hier und wollte für ein verlängertes Wochenende nach Siebenbürgen/ Transilvania fahren und suchte Mitfahrer. Eva, Anne (beide Freiwillige die bei den Maltesern arbeiten, Anne ist erst seit Dez. in Timişoara) und ich nutzten natürlich die Gelegenheit um auch mal ein bisschen etwas vom Land zu sehen. Also fuhren wir zu viert. Wobei das männliche Geschlecht stark in der Unterzahl war. Dazu kam, dass Anne immer nur von den Mädl´s sprach: „Mädels, los geht’s, Mädels, was machen wir jetzt....“  Am Freitag ging es um kurz nach 6 Uhr los. David und ich fuhren mit unserem Mitwagen Richtung Siebenbürgen. Eva und Anne waren schon in Cluj (Klausenburg), weil sie bei einem Hilfstransport dabei waren und sie fuhren uns mit dem Zug entgegen. Da wir sonst am Bahnhof so lange hätten warten müssen, machten wir in Alba Julia (Karlsburg) einen Stop und sahen uns die Festung an. In Blaj stießen Eva und Anne zu uns und wir setzten unseren Weg nach Sighişoara (Schäßburg) fort. Anne saß im Auto und stieß auf einmal einen Schrei aus: „Bah, Landschaft, Landschaft, ist das toll!“ Damit meine sie die Hügel, die sich auftaten uns ich muss sagen, es dachte jeder von uns so. Da ja um Timişoara alles so flach wie ein Brett ist tut einem die Abwechslung mal wieder richtig gut. Als wir ankamen war ich von der Stadt begeistert. Sighişoara ist eine mittelalterliche Stadt, bei der ein Teil der Altstadt auf einem Hügel liegt und mit der Stadtmauer umgeben ist. Der andere befindet sich mehr im Tal. Bis jetzt hab ich ja immer geglaubt, dass Timişoara wegen seiner Lage mehr westlich ist und auch „reicher“ aber vom Aussehen her war es gerade umgekehrt. In der Altstadt waren die meisten Häuser renoviert und auch die Straßen in sehr gutem Zustand. Von den Lebensbedingungen weiß ich jetzt nicht, wo es besser ist.

Timişoara erinnert einen ja von dem Baustiel her an Wien, Sighişoara dagegen könnte wirklich bei uns in der Nachbarschaft liegen. Als erstes ging es auf Besichtigungstour durch die Stadt. Dabei ist vielleicht auch zu erwähnen, dass wir in der Altstadt auf einen Friedhof stießen, in dem die meisten Gräber deutsche Inschriften hatten und auch so konnte man die deutsche Vergangenheit noch sehr spüren. Eine der vielen Sehenswürdigkeiten war das angebliche Geburtshaus von Vlad III. Ţepeş. Denn kennt ihr nicht? Besser bekannt ist er auch unter Graf Dracula. Dann suchten wir uns eine Unterkunft für die Nacht. Die fanden wir im Kolpinghaus, davon wir vorher schon gehört hatten. Ein wunderschön renoviertes Haus, für ca. 25 Personen und wir hatten es ganz für uns alleine! (Die schönen Holztreppen werde ich nicht vergessen) Das muss man doch ausnutzen und gleich mal selber das Abendessen kochen. Gedacht, fast getan! Als wir das Auto holten gingen wir in das nächste Magazin und kauften alles für Spagetti und für das Frühstück ein. Wieder zurück fanden wir leider im ganzen Haus keinen einzigen Topf! (Wir vermuten, der war im Nebenraum und dieser war abgesperrt) Also doch in die nächste Wirtschaft. Dies war auch sehr schön, weil es so einen Dorfcharakter hatte. „Daheim“ noch einen Tee und nach einem langen Tag gingen wir zeitig ins Bett. Am anderen Tag machten sich Eva und ich noch einmal in aller Frühe auf Entdeckungstour durch die Stadt, aber diesmal mehr durch die kleinen Gassen. Außer in der Altstadt sind keine Nebenstraßen geteert, manche auch gar nicht richtig befestigt. Wenn es da mal richtig regnet, muss man durch denn vollen Matsch laufen. Auf dem nächsten Hügel konnten wir auch in ein Seitental sehen, wo sich ein kleines Häuschen an das andere reiht. An einem Hügel entdeckten wir ein Haus ganz allein, das hat ausgesehen, als wäre man gerade in ein Märchen angekommen. Wieder zurück packten wir, gaben die Schlüssel ab und reisten weiter zu unserem zweiten Ziel: Braşov (Kronstadt)

Wenn man in die Stadt rein fährt muss man erst einmal durch ein Viertel aus lauter Plattenbauten, die einem in Rumänien überall begegnen. Der Stadtkern ist dann aber wieder wunderschön. Vor allem der Stadtplatz ist ein Schmuckstück. Nach einem Kaffee (für mich natürlich eine heiße Schokolade) Ging es wieder auf Besichtigungstour durch die Stadt. Danach fuhren wir mit der Gondel auf die Tâmpa, den Hausberg der Stadt. Und stellt euch vor, dort befand sich Schnee!!! In Timişoara liegt ja noch immer keiner und außer einig Tage im Dez. hat es auch noch nicht geschneit. Oben angekommen hatten wir eine traumhafte Aussicht in die Umgebung. Braşov liegt im Kapartenbogen und so sieht man die Schneebedeckten Berge auf der einen Seite und auf der anderen Seite sieht man ins Hochland von Siebenbürgen. Den Abstieg wagten wir zu Fuß und brauchten wegen Annes rutschigen Winterstiefel mindestens doppelt so lange! Es war ein einziges Gerutsche, Gefalle und sehr, sehr viel Gelächter. Wieder heil in der Stadt haben wir unsere Unterkunft dieses Mal durch die Touristeninformation gefunden. Am Abend gingen wir zum Essen aus und danach noch in eine Kneipe, in der Live-Musik gespielt hat. Richtig schön waren dabei unsere Gespräche, die sich um alles mögliche gedreht haben, aber vor allem über unsere Erfahrungen in Rumänien, um das Land, die Leute, den wahrscheinlichen EU-Beitritt von Rumänien (eine große Chance, aber auch mit sehr viel Arbeit, Umstellungen und vor allem Kosten für Rumänien verbunden.)
Am nächsten Tag hieß es wieder früh aufstehen, weil wir hatten ja noch viel vor. Nach einem kurzen Frühstück besuchten Eva, Anne und ich um 10 Uhr den evangelischen Gottesdienst in der „Biserica Neagră“. Als wir uns am Tag zuvor erkundigt hatten, ob es auch einen Gottesdienst in deutscher Sprache gibt, meine die Dame ganz entrüstet „Die Gottesdienste sind nur in deutscher Sprache!“ Das liegt daran, dass die meisten der Siebenbürgendeutschen evangelischen glauben haben. Eva, als Pfarrerstochter hat mir den Ablauf bei ihnen ein bisschen erklärt und wir hatten eine Pastorin, da könnten sich auch die Katholiken mal ein Beispiel nehmen.

Danach ging es weiter, über das Skigebiet Poiana Braşov (wunderbare Aussichten) nach Râşnov (Burg Rosenau). Dort haben wir einen kurzen Spaziergang zur Burg unternommen, sind aber bald weiter gefahren nach Bran um die dortige Burg zu besichtigen, die immer wieder mit Dracula in Verbindung gebracht wird, weil sie mal seinem Großvater gehörte. Bis jetzt sind wir vom kommerziellen Tourismus weitgehend verschont geblieben, aber in Bran holte er uns wieder ein. Am Burgberg war ein riesiger Markt aufgebaut, wo du alles mögliche erstehen konntest. Besonders aufgefallen sind die vielen verschiedenen Käse (Spezialität in Rumänien) und natürlich der Ţuika (Pflaumenschnaps). Die Burg selber wurde bis ca. 1950 von Mitgliedern der königlichen Familie bewohnt und ist deshalb sehr gemütlich und wohnlich eingerichtet. Ein richtiges kleines Märchenschloss mit vielen Winkeln, Treppen... Am liebsten währe ich sofort eingezogen J.

Da ich natürlich auch den geschichtlichen Hintergrund wissen wollte kaufte ich mir einen kleinen Führer in deutsch. Dort habe ich etwas von einem Teehaus gelesen und gemeint, dass müssen wir unbedingt auch noch suchen. Und da ein Trampelpfad weiter den Hügel rauf ging, sind wir dem natürlich gefolgt. Anne machten wieder ihre Schuhe zu schaffen und so bin ich schon mal voraus um zu schauen, ob es sich überhaupt lohn. Die Spur hörte aber nach der ¾ Strecke auf und vom Teehaus war keine Spur zu sehen. Deshalb sagte ich den anderen sie können getrost wieder umkehren. So neugierig wie ich bin wollte ich aber unbedingt wissen was sich auf dem Hügel befindet und bin quer durch den Schnee den Hügel ganz hinauf gekraxelt. Oben angekommen fand ich eine waldfreie Fläche. Der Hügel viel wieder sanft ins Tal ab, man konnte die Häuser sehen und hatte eine unheimlich schöne Aussicht zu den Bergen! Das schönste aber war, dass außer Tierspuren keine anderen Spuren im Schnee zu sehen waren, d.h. vor mir war schon lange Zeit niemand mehr dort oben gewesen und ich genoss dieses Gefühl der Freiheit und diese Einsamkeit in vollen Zügen, wollte gar nicht mehr zurück!!

Irgendwann doch wieder unten, schlenderten wir noch durch den Markt und machten uns langsam auf den Nachhauseweg. Fürs Mittagessen kaufen wir uns etwas in einem Supermarkt, der erste, der mit unseren in Deutschland vergleichbar ist. Was ich auch sehr genossen habe, war die Fahrt an sich. Man kann durch kleine oder größere Ortschaften, sah wieder die Pferdefuhrwerke, Schaffherden... In den Dörfern befindet sich zwischen Häusern uns Straße meistens ein Grünstreifen, mal größer und mal kleiner. Die Häuser selber sind alle in einer Front zur Straße und durch Hofmauern und Hoftoren miteinander verbunden. In einem Dorf wurden die Schafherden gerade nach Hause getrieben und wir mussten ihnen hinterher fahren. Was ich dieses Mal zum ersten Mal sah und mich auch vollkommen fasziniert hat, sind die Bahnübergänge. Bahnübergänge selber habe ich schon öfters gesehen und viele sind hier in Rumänien auch gar nicht beschrankt, aber mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass an beschrankten Bahnübergängen fast immer ein Häuschen dabei ist, in dem ein Bahnangestellter ist, der die Schranken hoch und runter kurbelt. Also noch nichts mit elektrisch oder gar ferngesteuert. Es sind so viele kleine Dinge, die ich bei uns nur noch von den Erzählungen meiner Eltern oder sogar meiner Oma kenne und hier jetzt erlebe. Das nicht so schöne ist, dass man immer wieder an verlassenen und halb verfallenen LPG´s , Hochhäusern oder ganzen Fabrikanlagen vorbeikommt. Einmal war an der rechten Seite das Dorf und ein paar hundert Meter entfernt an der linken Seite standen schwarze Hochhäuser, eine völlig schwarze und halb zerfallene riesige Fabrikanlage. Das Problem ist hierbei meistens, dass es keinem gehört, viele Besitzverhältnisse sind noch nicht geregelt und es geht alles sehr schleppend voran, und der Staat selber auch nicht die Mittel besitzt diese ganzen Altlasten zu entsorgen.
Die Rückfahrt selber war bis ca. 20 Kilometer vor dem Ziel sehr problemlos. Wir fuhren nur aus versehen in eines der etlichen Schlaglöchern, die es auf manchen Straßen gibt (andere sind wieder sehr schön und neu). Die Quittung kam dann kurze Zeit später durch einen Platten! Also hieß es Gepäck raus, Reservereifen und Werkzeug raus und los geht’s. Anne und Eva sind dagestanden und wussten überhaupt nicht, was man jetzt machen muss. Also mussten David und ich ran (David hat irgendwann schon mal Reifen gewechselt). Verkompliziert wurde die Sache nur dadurch, dass es vier normale Schrauben waren, aber eine andere und für diese konnten wir keinen Schlüssel finden. Wir hielten ein Auto an und versuchten in rumänisch und englisch unser Problem zu schildern, bis einer meinte, ihr könnt auch deutsch sprechen (passiert einem immer wieder). Die konnten uns aber leider auch nicht weiterhelfen. Also riefen wir den Vermieter an und dieser meinet, da muss ein Aufsatz im Auto dabei sein. Da erinnerte sich David, dass er so was kleines mit zu den anderen Sachen in die Styroporschachtel geschmissen hat. Das Problem war nur, diese hatte unten ein großes Loch und das kleine Teil lag jetzt irgendwo am Straßenrand im Gras und wir mussten es um halb 11 Uhr abends ohne Taschenlampe suchen. Als wir mindestens eine halbe Stunde gesucht und die Hoffnung fast aufgebenden haben, wollten wir schon wieder unseren Vermieter anrufen. Doch, zum Glück, hab ich ihn dann doch noch gefunden! Von da an übernahm ich das Kommando und wechselte den Reifen lieber selber (sicher ist sicher). Auch wenn sich David vielleicht ein bisschen in seiner Mannesehre gekrängt gefühlt hatte. Eva meinte, Reifenwechsel ist das erste, was sie lernt, wenn sie wieder in Deutschland ist. Es hat doch was gutes, wenn man seine Winter- bzw. Sommerreifen selber wechseln muss J Um kurz nach 12 waren wir wieder heil in der Stadt.
Zum Schluss ist zu sagen, dass dieser Teil von Rumänien sehr schön ist (es gibt bestimmt noch viele schöne Fleckchen hier) und vor allem sehr interessant. Ich glaube Rumänien ist auf jeden Fall auch eine Urlaubsreise wert. Mir persönlich hat nach Mittlerweilen 5 Monaten Stadtleben dieser Ausflug mal wieder sehr gut getan: Schnee (gab es in Timisoara noch nicht), Wald, Hügel und Berge (muss man in der Ungarischen Tiefebene lange suchen), frische Luft (auch mal ohne Autoabgase), eine mondhelle Nacht (nicht diese Straßenlampen, halb taghellen Nächte) einfach herrlich! Und eines steht auch fest, ich will noch viel mehr von diesem Land sehen, aber dazu hab ich ja auch im Sommer 4 Wochen lang Gelegenheit.

Sonstiges
Hab ich euch schon erzählt, dass ich jetzt mittwochs immer zum Tanzen gehe? Es ist so eine Art Aerobic – Moderner Tanz Stunde und ganz bei uns in der Nähe in einem Studentenhaus. Die Bewegung einmal pro Woche tut mir richtig gut, sonst roste ich noch ganz ein. Auch besuche im manchmal die Credogruppe, das ist die deutschsprachige Jugendgruppe und natürlich am Samstag die Jugendgruppe der Pfarrei. Auch gibt es immer mal wieder Veranstaltungen vom deutschen Kulturzentrum (Filmabende, Lesungen...), die sehr interessant sind. Wie ihr sehr, bin ich sehr beschäftigt. Aber ich muss sagen, das gefällt mir sehr, ich hab nämlich gemerkt, dass ich diese Abwechslung brauche. Ich bin es ja von daheim mit meinen ganzen Vereinen nicht anders gewohnt. Und das andere ist, dass ich mir sonst hier in der Großstadt manchmal richtig eingesperrt vorkomme. Das klingt jetzt bestimmt für einen der in der Stadt lebt vollkommen komisch, aber manchmal ist es mir hier wirklich zu eng und dann geh ich raus und da bin ich halt dann gleich mitten in der Stadt, mit vielen Menschen und Häusern (wie soll es in einer Stadt auch anders sein.) Die weite des Landes fehlt mir manchmal. Aber Anne und ich haben jetzt ausgemacht, dass wir sonntags öfters mal mit dem Bus weiter raus fahren müssen oder so, bin ja gespannt.

Ich glaube wenn ich so weiter mache, schreib ich euch am Ende des Jahres halbe Bücher als E-Mail. Und dabei hab ich sowieso nur das wichtigste geschrieben. Es gäbe noch so viele Eindrücke und Erlebnisse, vor allem auch Kleinigkeiten aus dem Alltag zu schreiben.... Aber ich will euch ja nicht überfordern.

Ciau, viele Liebe Grüße
Euere Regina

P.S. Eins ist mir noch eingefallen: Fasching wird hier leider nicht so groß gefeiert wie bei uns in Hemau und einen Faschingszug gibt es auch nicht. Ich grüß alle, die schon wieder fleißig an ihren Wägen und Kostümen basteln!!
David hat mir seine Bilder vom Ausflug auf CD gebrannt und so kann ich euch ein paar mitschicken:
 

Gruppenfoto mit Eva und Anne im Hintergrund Brasov
einmal mit Anne auf dem Uhrenturm in Sighisoara
Blick von der Burg Rosenau in die Berge