| Hallo ihr Lieben! |
| Jetzt gab es
schon lange keine Mail mehr von mir, aber es hat sich in der letzten
Zeit auch viel getan bei mir. Erst mal möchte ich noch zu unserem St. Martinsfest sagen, dass es sehr schön war. Der Elternbastelabend war zwar etwas unorganisiert, meiner Ansicht nach, aber hier ist es normal und keinem hat es gestört, wenn etwas mal nicht so geklappt hat. Inzwischen ist ja auch der Nikolaus schon gekommen und die Kinder waren an diesem Tag sehr sehr brav! Das Gruppenzimmer habe ich jetzt mit den Kindern auch schon weihnachtlich geschmückt. Es sind Kerzen an den Fenstern, hängen Schneemänner und Tannenbäume von der Decke, einen Adventskranz haben wir… und das wichtigste der Geburtstagskalender ist auch endlich mal fertig, Eine Burg und von den Fenstern schauen die Kinder raus. Einige Eltern haben jetzt schon gesagt, dass unser Zimmer dieses Jahr so schön ist, viel schöner als im letzten Jahr J. Das liegt einerseits daran, dass das Personal im letzten Jahr nicht sehr gut war und die Eltern sehr unzufrieden waren, andererseits ist es hier aber auch nicht üblich das Zimmer so sehr zu schmücken. Wenn das Zimmer dekoriert wird, dann machen es meistens die Erwachsenen alleine, da hier die Meinung vorherrscht, dass Kinder noch nicht so schwere Sachen basteln können. Da hier normalerweise alle Kinder das Gleiche zur gleichen Zeit machen (alle malen einen Tannenbaum aus, alle lernen das Lied, alle Essen….) kann man natürlich nicht jedem helfen und es werden einfache Dinge gemacht, die alle alleine können. Während der Freispielzeit sich hinsetzten und mit nur 3 Kindern auf einmal etwas basteln und es ihnen genau zeigen, wie es geht, das ist nicht bekannt. Die Erzieherin bastelt während der Freispielzeit alleine oder schreibt etwas, kümmert sich also nicht so sehr um die Kinder. Ich bereite jetzt immer etwas vor und mache dies dann mit den Kindern, die Lust dazu haben und ich muss sagen, es wollen immer mehr Kinder basteln, als ich auf einmal drannehmen kann. Wie ihr seht, hab ich im Kindergarten viel zu tun, aber ich hab mich jetzt entschlossen, auch nebenbei (nach dem Kindergarten und am Samstag) noch etwas zu machen. Das liegt daran, dass es nicht ganz die Arbeit ist, die ich mir unter meinem Auslandaufenthalt vorgestellt habe. Mir gefällt die Arbeit sehr gut, ich hab die Kinder im Kindergarten im mein Herz geschlossen und ich sehe auch, dass ich doch immer wieder einige Anstoße für anderen „modernere“ Denkweisen geben kann, ich will aber noch mehr für die wirklich hilfsbedürftigen tun. Ich hab ja mal geschrieben, dass die Eltern einen Kindergartenbeitrag zahlen müssen, weil es leider noch ein privater Kindergarten ist und er dadurch keine Mittel vom Staat bekommt. Es war normalerweise auch geplant, dass ein gewisser Prozentsatz an Kindern aus sozial schwachen Familien aufgenommen werden, die dann keinen Beitrag zahlen müssen. Dies wollte aber der Pfarrer von der Pfarrei nicht und er ist auch gleichzeitig der Träger. Dies finde ich sehr schade. Deshalb hab ich mir überlegt mich noch nebenbei wo anders zu engagieren. Ich hab mich umgehört und es gibt hier einiges, wo man „helfen“ kann. Es gibt eine Suppenküche, ein Kinderdorf, ein Obdachlosenasyl, ein Haus für Straßenkinder….. und viele Kinderheime. Letzte Woche war ich bei einer Behörde, die für Kinder zuständig ist und hab nachgefragt, ob ich als freiwillige in einem Kinderheim mitarbeiten kann. Ich muss jetzt einige medizinischer Untersuchungen machen, Lebenslauf, Bewerbung… schrieben und dann kann ich wahrscheinlich dort arbeiten. Für ein Kinderheim habe ich mich deshalb entschieden, weil es dort zwar meistens nicht an Ausstattung fehlt, aber an Personal. Dies bedeutet, dass die Kinder zu wenig menschliche Zuwendung bekommen. Dazu passt ein Zeitungsbericht, den ich vor kurzem gelesen habe. Es wurde eine Studie gemacht, und bei der wurden Gehirnströme von Kindern in Familie und von Kindern aus russischen und rumänischen Kinderheimen gemessen. Dabei wurde festgestellt, dass die Kinder aus den Kinderheimen veränderte Gehirnströme hatten und oft auf die Zuwendung von anderen Personen gar nicht mehr richtig eingehen konnten. Molly hat ja auch in einem Kinderheim gearbeitet und vor ca. drei Wochen war ich mit ihr dort. In einer Gruppe waren 16 Babys und 2 Betreuerinnen. Manche Babys waren schon mit einigen Wochen in das Kinderheim gekommen. Es wird zwar mittlerweile versucht, Pflegefamilien für die Kinder zu finden, aber vor allem die Kinder mit leichten Behinderungen oder Kinder die nicht „niedlich“ sind bleiben oft in den Kinderheimen. In der anderen Gruppe waren Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren und als sie uns sahen, kamen sie sofort her und wollten alle getragen oder umarmt werden. Für dieses Kinderheim habe ich mich jetzt beworben. Ich hab mich am Anfang gefragt, warum so viele Kinder hier ins Heim kommen und oft schon als kleinen Baby. Das liegt daran, dass unter Ceausescus kommunistischer Diktatur Geburtenkontrolle verboten war. Ceausescu wollte ein großes Volk und deshalb sollten die Frauen viele Kinder bekommen. Wenn man aber ein Kind bekam und sich das finanziell nicht leisten konnte, dann gab man sie ins Kinderheim, es war etwas ganz normales. Und dieses Denken ist heute noch in vielen Köpfen. Es ändert sich zwar langsam, aber das brauch seine Zeit. Einmal war ich auch im Kinderkrankenhaus, dort haben wir ein Baby aus dem Kinderheim besucht. In einem Raum standen vier Betten mit jeweils einem kleinen Nachttisch, mehr hatte auch nicht Platz in dem Raum. Waren noch einige Erwachsene in dem Raum konnte man sich nicht mehr bewegen. Die Einrichtung und der ganze Bau erinnerten mich an alte Filme, so Nachkriegszeit. Bei drei Kindern waren die Mütter dabei. Eine Mutter hat uns dann erzählt, dass dies ihr drittes Kind ist und die ersten zwei Kinder hat sie in das Kinderheim gegeben. Für sie war dies etwas völlig normales und sie ist sich gar nicht bewusst, was sie ihren Kindern damit antut. Ich hoffe, dass ich ab Januar in dem Kinderheim nebenbei arbeiten und so einigen Kindern ein bisschen menschliche Wärme schenken kann. So, das war jetzt schon ganz schön viel, aber es gibt noch einiges mehr zu berichten. Am 1. Dezember hatte ich meinen ersten „freien Tag“ es war nämlich Nationalfeiertag und damit einer der wenigen Feiertage. Allerheiligen, Hl. Drei König, Karfreitag, Christi Himmelfahrt….. sind hier nämlich ganz normale Arbeitstage! Also nichts mit 15 zusätzlichen freien Tagen wie in Bayern. Der Nationalfeiertag wurde dann auch groß begangen mit Musik, Fahnen und einem Feuerwerk. Kurz darauf war ja dann auch schon Nikolaus und in der ganzen Stadt sah man Manschen mit „komischen Stecken“ rumlaufen. Auf den Plätzen gab es ewiglange Reihen mit Verkäufern, die solche Stecken in Eimern zum Verkauf anboten. Sie sahen ganz unterschiedlich aus, meistens ein runder Stab, der mit Folie umwickelt war und oben ein Herz, einen Stern… aus Draht hatte, oft baumelte auch irgendwo noch ein Nikolaus. Mann hat mich dann aufgeklärt, dass dies Nikolausruten seien, die sich die Menschen am Nikolaustag schenken. Und wirklich an Nikolaus bekam ich auch eine von einem Kindergartenkind geschenkt. Mittlerweilen hat sich die Stadt auf Weihnachten vorbereitet. Alle Lichter an den Straßenlaternen (leuchtende Kerzen, Sterne, Kugeln…) sind jetzt angemacht. Hinmontiert wurden sie ja schon letztes Jahr und dann gar nicht mehr abgenommen. Dazu kommen noch in einigen Straßen bunte Lichterketten, der Straße entlang oder quer über die Straße gespannt. In der Innenstadt ist alles in Weiß und Blau gehalten. Jeder Busch, Baum, Strauch, Brunnen… hat eine Lichterkette oder auch mehrere bekommen. Dazu wurden noch künstliche Bäume aufgestellt… Ich habe festgestellt, die Rumänen mögen es sehr hell und bunt! Ja einen Weihnachtsmarkt gibt es auch. An den Plätzen in der Innenstadt stehen kleine Buden, bei denen es die verschiedensten Sachen zu kaufen gibt. Das meiste sind aber Kuscheltiere und anderer Kitsch. Letztes Wochenende waren wir eingeladen zu einem Weihnachtskonzert im Dom. Geladen hatte das deutsche Konsulat. Ich muss sagen, es war ein Genuss! Ein sehr guter Chor und ein Streicher Ensemble sangen und spielten Stücke von Bach (Kantate Nr. 191 „Gloria in excelsis Deo“, Konzert A Dur für Cembalo und Streicher, Kantate Nr. 34 „O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe“, Arie aus der Suite Nr. 3 in D Dur und Ave Maria). Zum Schluss wurden noch gemeinsam ein rumänisches und ein deutsches Weihnachtslied gesungen. Danach hatte ich die richtige Weihnachtsstimmung. Wobei ich ja Weihnachten mit gespaltenen Gefühlen entgegenblicke. Einerseits freue ich mich natürlich, auf der anderen Seite ist es das erste Weihnachten ohne Familie und da muss ich mal schauen, wie das so wird. Auf was ich mich aber schon freue ist, dass nach den Feiertagen meine Eltern zu Besuch kommen! Wisst ihr überhaupt, dass es hier kein Christkind gibt? Es bring nämlich der Moş Crăciun die Geschenke. Moş Crăciun heißt frei übersetzt so viel wie „Väterchen Weihnacht“ oder Väterchen Weihnachtsmann. Es ist eine kleine Anlehnung an Russland, wo es den Väterchen Frost gibt. Diese Woche gab es den ersten Schnee! Ich weiß, in Deutschland hat man schon Mitte November unter den Schneelasten gestöhnt und wahrscheinlich will jeder, dass es so schnell wie möglich Frühling wird. Aber wer mich kenn weiß, dass ich Schnee liebe und ich hab schon sehnsüchtig darauf gewartet. Bis vor kurzem war es ja bis auf einige bitterkalte Tage noch immer sehr warm bei uns. So Tage mit 10 Grad waren keine Seltenheit. Aber seit einer Woche ist es jetzt kälter und eines Morgens war alles weiß. Es ist zwar noch nicht sehr viel Schnee, aber vielleicht wird es ja noch. Ein Thema, das alle hier lange beschäftigt hat, war der Schulstreik. Die Lehrer haben nämlich für mehr Lohn gestreikt. Lehrer ist hier einer der schlecht bezahltesten Berufe und die Lehrer haben einfach keinen Unterricht mehr gehalten. Eine Regel hier ist, wenn länger als 4 Wochen der Unterricht entfällt, das wird das Schuljahr eingefroren, d.h. es wird nicht gezählt. Die Lehrer waren sehr hartnäckig und die Regierung hat dann auch ein bisschen nachgegeben, aber natürlich nur einen geringen Teil der geforderten Lohnerhöhung gezahlt. Auf jeden Fall wurde der Streik nach ca. 3 ½ Wochen beendet. Die verlorenen Tage müssen jetzt an den Samstagen nachgeholt werden. Ich sag da nur die armen Schüler. Die Schüler gehen hier auch nicht alle am Vormittag in die Schule, sondern ein Teil am Vormittag und der andere Teil am Nachmittag. Ich glaube 1. – 4. Klasse Vormittag, 5. – 8. Klasse Nachmittag und dann wieder Vormittag. Ein Grund ist sicher, es ist Platz sparender, man brauch nicht so viele Schulen. Was gibt es noch zu berichten? Ja, im November hab ich einen Ausflug gemacht. Das ist zwar jetzt schon etwas her, aber das macht ja nichts. An einem Sonntag sind Molly (aus der USA), Lia und Andrei (Lia ist Englischlehrerin an der Lenauschule und ich kenn sie über Molly, Andrei ist ihr Freund), zwei Freunde von Lia, Eva (aus Deutschland, macht ein freiwilliges soziales Jahr hier), Dieter Klein (aus Deutschland, ist Lehrer an der Lenauschule – ist die deutsche Schule hier), seine Kollegin aus Rumänien und natürlich ich zu einem Dorf gefahren. Dort hat früher Andreis Oma gewohnt und das Haus benützen sie jetzt als Ferienhaus. Das Haus ist noch ein richtig „original rumänisches Landhaus“, d.h. ohne Wasseranschluss, mit Toilette am Hof, Strom hat es schon. Wir haben dann eine Wanderung in die Umgebung unternommen, vorbei an Kühen und Pferden auf der Weide in einen Wald, der wunderschön herbstlich war. Wieder zurück gab es Würstchen mit Mamaliege (Maisbrei). Gespült wurde dann natürlich im Hof. Am Spätnachmittag ging es wieder zurück. Diese Woche haben wir (Lia, Andrei, Eva, David- macht Praktikum im dt. Konsulat) am Dienstagabend Molly verabschiedet. Wir sind mit ihr in ein Cafe gegangen und haben auf sie angestoßen. Am Morgen um halb 5 Uhr haben Sr. Letizia und ich Molly dann zum Bahnhof gebracht, wo sie dann nach Budapest zu ihrem Flug gefahren ist. Molly hat bis jetzt vor, im Januar wieder zu kommen, es ist aber noch nicht ganz sicher. Ich muss sagen, Molly ist zwar vom Wesen her ganz anders als ich (viel spontaner und auch ein bisschen chaotischer) wir haben uns aber sehr gut zusammengelebt und sind gute Freundinnen geworden. Ich vermisse sie schon. Am Mittwoch ging es dann zu der privaten Weihnachtsfeier von dt. Vizekonsul. Wie ich dazu gekommen bin? Ganz einfach, David der ein Praktikum beim Konsulat macht hat mich eingeladen und mitgenommen. Es sollten nämlich alle Geladenen noch Familie oder Freunde mitbringen. Beeindruckend war der Abend auf alle Fälle, aber gar nicht steif, sondern sehr locker (man sollte kratzfeste Kleidung anziehen, da sie sechs Kater besitzen). So einen Einblick in das Leben von einem Konsul bekommt man ja auch nicht alle Tage. Wobei es kein Leben für mich wäre. Alle 3 Jahr in ein anderes Land, du kannst dir eigentlich keinen Freundeskreis aufbauen, da du es ja auch nicht schaffst, die verschiedenen Sprachen so schnell perfekt zu lernen. Als Ehefrau musst du dann auf jedem Fall ein gutes Hobby haben. Am Donnerstag war ich dann mal wieder bei einem Konzert, diesmal war es in einer Schule und es sangen 5 oder 6 verschiedene regionale Chore. Es wurden rumänische und ungarische Weihnachtslieder gesungen und war sehr schön. Ihr seht, die Vorweihnachtszeit ist auch hier sehr ausgefüllt. Jetzt hab ich noch ein ernsteres Thema. Wie ich schon mal geschrieben habe, waren Teile von Rumänien im Sommer immer wieder von Hochwasser heimgesucht worden. Und da auf dem Land viele Häuser noch aus Lehmziegeln gebaut sind, wurden viele Häuser zerstört. Die Regierung hat den Menschen neue Häuser versprochen, diese haben sie jetzt auch bekommen: in einem Dorf sind z.B. lauter gelbe Häuser mit rotem Dach, eines sieht so aus wie das andere, mehr ist aber auch schon nicht. Von Strom- oder Wasseranschluss keine Spur, auch kein Badezimmer oder sonstige Mindestausstattung ist dabei. Viele Familien können sich aber keine neue Einrichtung oder wenigstens einen Ofen nicht leisten. Das dt. Konsulat ist jetzt gerade dabei, eine Bestandsliste zu erstellen, damit man weis, wo welche Hilfe gebraucht wird. So, das war jetzt ein sehr langer Bericht. Ich hoffe ich habe euch jetzt mit meinem E-Mail nicht erschlagen J Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins neue Jahr! Un Crăciun fericit şi un An Nou fericit! Liebe Grüße Euere Regina |