| Hallo ihr
Lieben! Ich dachte mir, es ist mal wieder an der Zeit, euch zu berichten, wie es mir so geht. Mittlerweile habe ich schon ein paar Wochen im Kindergarten gearbeitet und ich muss sagen, so langsam gewöhne ich mich ein. Das Kindergartensystem ist im Gegensatz zu dem deutschen Kindergartensystem doch in vielen Punkten sehr unterschiedlich. So ist der Kindergarten hier viel mehr auf Vorschulerziehung ausgelegt und es gibt eine Art Stundenplan. Normalerweise gibt es keine Altersgemischten Gruppen und es arbeitet eine Erzieherin mit 25 Kindern. In unserem Kindergarten sind die Gruppen altersgemischt und es sind immer zwei Personen in einer Gruppe (bei uns jetzt mit mir drei). Der Kindergarten ist ein privater Kindergarten, will aber staatlich anerkannt werden und dann auch staatliche Zuschüsse bekommen, dies dauert aber in Rumänien länger. Oft muss ein Kindergarten schon 5 bis 10 Jahre selber bestehen, bevor er Zuschüsse bekommt. Um die Unterhalts- und Personalkosten begleichen zu können, müssen deshalb Elternbeiträge erhoben werden. (auch Spendengelder werden jeden Monat benötigt, um alles Bezahlen zu können) Dies bedeutet, dass sich nicht alle Leute einen Platz in diesem Kindergarten leisten können. Die meisten Mütter, deren Kinder bei uns im Kindergarten ist gehen in die Arbeit. Das hat mich am Anfang doch etwas nachdenklich gestimmt, da viele Eltern sich diesen Kindergarten nicht leisten können. Und ich hab mich auch gefragt, woraus dann genau meine Hilfe für die Ärmeren besteht. Aber ich glaube, ich helfe vielleicht ein kleines bisschen dazu, dass der Kindergarten staatlich anerkannt wird. Außerdem habe ich mich an einen Spruch erinnert, den meine Schwester mir zum Abschied geschrieben hat. "eine Handvoll Hilfe ist besser als eine Karre voller guter Ratschläge" Der Tagesablauf im Kindergarten sieht folgendermaßen aus: 7 Uhr bis 8.15 Uhr Kinder können von ihren Eltern gebracht werden und können im Klassenzimmer (nicht Gruppenraum wie in Deutschland) spielen. 8.30 Begrüßung im Morgenkreis 9 Uhr: gemeinsame Brotzeit im Speisesaal bis 12 Uhr: jeden Tag mindestens zwei Angebote (Mathematik, Sprache, Musik, Sport, Kunst, Basteln, Sozialerziehung....) dazwischen ab und zu mal eine kurze Freispielzeit. 12 Uhr Mittagessen im Speisesaal 13 Uhr Zähne putzen und umziehen für den Mittagsschlaf bis 14.30 oder 15 Uhr Mittagsschlaf Aufstehen, anziehen, Gustare (Nachmittagssnack) danach Freispiel oder Beendigung einer Arbeit vom Vormittag 16 bis 17 Uhr Abholzeit Wie ihr seht ist es ein sehr strenger Tagesablauf und die Kinder haben nur wenig Zeit zum freien Spiel. Hier in Rumänien wird noch sehr viel wert darauf gelegt, dass die Kinder etwas „lernen“, also dass es einen Nachweis für das Gelernte gibt. Es werden schon im Kindergarten Buchstaben gelernt oder in Mathematik Arbeitsblätter über Themen wie Größer oder Kleiner. Dies war am Anfang sehr ungewohnt und schwer für mich, da ich es bei uns anders gewohnt bin. Ich gestalte zur Zeit mit den Kindern die Räume etwas freundlicher (Geburtstagskalender, Sterne im Schlafraum....) . Anita und ich versuchen auch, wo es geht den Kindern etwas mehr Zeit zum Spielen zu verschaffen und auch öfters mit ihnen in den Turnsaal oder Garten zu gehen, damit sie sich bewegen können. Vielen von euch wird das eine oder andere, was ich jetzt erzählt habe gar nichts sagen, da sie sich auch mit den deutschen Kindergartensystem nicht auskennen, aber das macht nichts Ich hoffe nur, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt. Jetzt berichte ich mal von meinem Tagesablauf. Also ich stehen unter der Woche um 6 Uhr auf, dann bete ich mit den Schwestern die Laudes. Danach frühstücke ich. Da ich erst um 8.30 Uhr im Kindergarten sein muss habe ich immer noch eine Stunde Zeit zum Lernen, rumänisch natürlich. Vom 8.30 bis 16 Uhr bin ich im Kindergarten, danach komme ich heim und versuche wieder etwas zu lernen (an einem Tag denke ich mir, irgendwann lernst du die Sprache noch, es ist gar nicht so schwer. Am nächsten Tag denke ich dann wieder, du lernst diese Sprache nie!)um 17.30 Uhr gibt es Abendessen, danach ist Vesper. Am Abend sehe ich manchmal mit den anderen fern oder schreibe euch eine Mail, bügle meine Wäsche, gehe mit Molly spazieren, lese.......... Langsam knüpfe ich auch Kontakte außerhalb des Klosters. So lernte ich letzten Donnerstag 4 junge Mädchen aus Deutschland kennen, die ein freiwilliges soziales Jahr in Rumänien machen. Mit ihnen werde ich mich nächste Woche mal treffen. Jeden Freitag gehen ich jetzt mit Sr. Letizia in die Jugendgruppe der Pfarrei. Bei den Gesprächen verstehe ich jetzt zwar noch nicht wirklich viel, ich hoffe aber es bessert sich mit der Zeit. Gestern Abend war ich mit Molly (aus der USA, wohnt auch hier im Kloster), in der Stadt. Zuerst haben wir uns in eine Terrasse gesetzt und etwas getrunken (Terrasse nennen sie hier die Restaurants im Freien) später sind wir noch etwas in eine Disko gegangen. Da muss ich sagen, kennt man fast keinen Unterschied zu Deutschland. Lustig war, dass mindestens 4 Bräute in die Disko kamen. Anita meinte heute, bei ihnen gibt es auch den Brauch, dass die Braut gestohlen wird und diese geht dann meistens kurz in eine Disko. Ich habe in den letzten Wochen so viele Brautpaare gesehen, wie noch nie zuvor. Jedes Wochenende sieht man vor den Kirchen die Paar waren oder hört, wie die Hochzeitsgesellschaft mit einem Hupkonzert durch die Stadt fährt. Letzten Sonntag waren wir am Abend im deutschen Staatstheater und haben uns „Die Braut von Melina“ (oder so) angesehen. War sehr schön, aber das Theater ist, wie fast alle Gebäude hier natürlich sehr renovierungsbedürftig. An der Decke konnte man genau sehen, wo es überall hereinregnet. Hier noch ein paar Informationen, die zeigen, wie viel schwerer es die Menschen hier haben: Will ein rumänischer Staatsbürger in die EU einreisen, so muss er eine bestimmte Menge an Bargeld mit sich führen und eine Rückfahrkarte besitzen (wenn er mit dem Zug reist). So wollen sie verhindern, dass so genannte Bettlerkolonnen ausreisen. Seit kurzem muss er auch einen Beleg bei sich führen, wo seine Zimmerreservierung bestätigt ist oder er muss eine Einladung bei sich haben. Wenn er dies nicht hat, muss er noch mehr Bargeld bei sich haben. Es ist also sehr schwer, in die EU zu reisen. In der Zeitung habe ich diese Woche gelesen, dass die Getreideernte in diesem Jahr wegen dem Hochwasser schlechter ausgefallen ist. Viele Bauern bekommen aber auch für ihre Ernte nicht mal so viel Geld, damit ihre Umkosten gedeckt sind. Bei solchen Berichten wird einem dann klar, warum viele Felder brach liegen. Rumänien wurde in diesem Jahr sehr von Hochwassern heimgesucht. Insgesamt sind 5000 Häuser völlig zerstört und viele Häuser sind schwer beschädigt. Die meisten Menschen haben keine Versicherung und stehen jetzt vor dem Nichts. Viele wissen nicht, wo sie im kommenden Winter unterkommen sollen. Das soll es für dieses Mal sein. Auch wenn ich nicht jedem von euch einzeln schreiben kann, so freue ich mich doch über jede Mail die ich bekomme und in der ich etwas neues von der Heimat erfahre. Viele liebe Grüße an alle die mich kennen! Euere Regina P.S. Rechtschreibfehler sind Absicht!! |