Einzelexerzitien - Erfahrungsberichte
Werdenfels, Ort der Stille, Ort, der Kraft gibt, Ort des Werdens.

Ich bin ein fröhlicher Mensch. Gesellig, spaßig, unterhaltsam – so beschreiben mich meine Freunde und laden mich gerne ein. Denn eines ist sicher: ob große Party oder kleines Abendessen, wo ich bin, da wird gelacht und geredet. Viel geredet. Ich liebe das. Miteinander-Reden über Gott und die Welt. Und wenn wir die Welt genug besprochen haben, und die Sprache auf Gott kommt, dann sage ich gerne: „Einmal im Jahr gehe ich für eine Woche ins Kloster, zum Schweigen“ Und dann bricht genau das in die Unterhaltung ein: Schweigen. Erstauntes, ungläubiges Schweigen.
In der Stille kann ich von den Gesichtern die Frage lesen, noch bevor sie gestellt wird: „Wie bitte? Diese Quasselstrippe? Diese Maustotschmatzerin? DIE hält eine ganze Woche lang die Klappe? Das schafft die doch noch nicht mal für fünf Minuten.“ Ich kann sie verstehen. Denn genauso hab ich vor zwei Jahren auch gedacht, als ich den ersten Schritt auf dem Weg nach Werdenfels, auf dem Weg zu Schwester Erna, auf dem Weg in die Stille, auf dem Weg zu Gott und damit auf dem Weg zu mir gegangen bin.
Ich bin neugierig – und habe Angst. Angst, dass ich mir zuviel vorgenommen habe. Eine Woche Schweigen. Sieben stille Tage. Irgendwo im Nirgendwo hinter Regensburg. Vielleicht hätte ich „Münchner-Kindl“ mich doch einfach für einen Yoga-Kurs einschreiben sollen. Der dauert immer nur 90 Minuten pro Woche. Aber nein, ich fall mal wieder von einem Extrem ins andere. Typisch. Als ich auf dem Regensburger Bahnhof mein Handy ausschalte, höre ich noch das Lachen meines Vaters: „Wenn Du eine Woche still sein musst, tut mir der, den du danach als ersten in die Finger bekommst, jetzt schon leid.“
Als ich auf der Rückreise in Regensburg mein Handy wieder einschalte, und zig Textnachrichten, Mailboxhinweise, Anrufe in Abwesenheit auf mich einpiepsen, muss ich meinem Vater widersprechen. Um mich herum tobt ein Meer aus ankommenden und abfahrenden Menschen, blecherne Ansagen buhlen um Aufmerksamkeit, Anzeigetafeln konkurrieren mit Werbeplakaten: Reizüberflutung. Doch in mir wohnt jetzt eine tiefe Stille, die den Trubel an sich vorüberziehen und mich Ruhe bewahren lässt.
Wie ich das geschafft habe? Gar nicht. Es wurde mir geschenkt. Irgendwo im Nirgendwo hinter Regensburg. In der täglichen Routine von entspannender Meditation, augenöffnenden Spaziergängen durch eine erstaunliche Natur, einer stillschweigenden Geborgenheit in der Gemeinschaft und einer neuen, klaren Sicht auf meine zuvor ziemlich eingeschlafene Zweierbeziehung: Gott und ich. Wir reden jetzt wieder mehr. ER hatte ja nie aufgehört, mit mir zu reden. Ich hatte nur verlernt, ihm zuzuhören.
Immer wenn der Alltagslärm mich zudröhnt, erinnere ich mich an diesen stillen Ort und die Kraft, die er mir gibt: Werdenfels. Der Fels des Werdens. Auch ein schöner Gedanke. Ein starker Boden der mir den Halt gibt, zu wachsen und zu werden. Das zu werden, was ich dort gespürt habe und doch noch nicht bin: innerlich ruhig, still, klar – wie ein See, dessen Grund man sieht, weil kein Sturm seine Oberfläche auch nur kräuseln kann.
Doch Reflektion beiseite und der Realität ins Auge geblickt! Zu Hause, im Büro, in meinem Leben in München, da falle ich immer wieder in alte Muster zurück. Habe keine Zeit, keinen Plan, lasse mich verwirren und nur allzu leicht und allzu gerne ablenken. Doch anders als zuvor kenne ich jetzt einen Weg aus dem oft hausgemachten Dauer-Stress-und-Hektik-Dschungel heraus. Und nicht immer, aber immer öfter, gehe ich ihn weiter. Immer noch neugierig, wohin er mich führt, aber jetzt ohne Angst. Ohne Angst, weil ich es gespürt habe: ich gehe meinen Weg an Gottes Hand. S.R., 31 Jahre

 

Meine ersten Exerzitien und der lange Weg dorthin Bereits 2003, kurz nach meinem Abitur und somit auf der Suche nach meinem weiteren Weg, lernte ich Sr. Erna kennen. Seit der Kontaktherstellung über eine gemeinsame Freundin, bekam ich regelmäßig Post mit verschiedenen Kursangeboten, die nach Altersstufen abgestimmt waren. Dabei stellte ich ziemlich schnell fest, dass für mich eigentlich nur eine Exerzitienwoche in Frage kommt. Doch eine ganze Woche schweigen? Raus aus der gewohnten Umgebung? Sich mit seinem Inneren auseinandersetzen? Nein, dazu war ich damals noch nicht bereit. Doch es reifte in mir heran. In der Weihnachtszeit 2005 kam für mich erneut der Punkt, mich mit der Frage auseinander zu setzen, ob ich an den Exerzitien teilnehmen will. Nach intensivem Email- und Briefkontakt mit Sr. Erna, der mich nicht zu überzeugen suchte, sondern mir meine Ängste nahm, Fragen beantwortete und mich schließlich in meiner Entscheidung bekräftigte, die lange zuvor in meinem Bauch angefangen hatte zu wachsen, meldete ich mich für die Exerzitienwoche an. Diese Entscheidung hat lange gedauert, aber nun war es an der Zeit, diesen Schritt zu tun und Pfingsten 2006 teilzunehmen. Diese Woche war geprägt von einer tiefen Gemeinschaft, von religiösen Impulsen und der Beschäftigung mit meinem Inneren. Weg von allen Außeneinflüssen habe ich tief in mich hineingehört, habe mich mit Erinnerungen, Erfahrungen, Einstellungen auseinandergesetzt, ich habe auf mein Herz gehört und versucht, seine Stimme zu vernehmen. Hierbei waren das Wort der Schrift, die täglichen Gottesdienste, Meditationen und Gebete eine Art „Tankstelle", die mir Kraft gab, auch noch lange nach den Exerzitien. In der ganzen Exerzitienwoche ist man nie alleine. Man hat zum einen die Gemeinschaft mit den anderen Exerzitienteilnehmerinnen, zum anderen Sr. Erna, die immer ein offenes Ohr und ein mitfühlendes Wort hat, die Anregungen gibt und einem weiterhilft, wenn man glaubt, dass es nicht weitergeht.

Diese Woche war, auch wenn die Entscheidung hierfür etwas länger gedauert hat, die intensivste und aufschlussreichste in meinem bisherigen Leben! Ich werde auf jeden Fall wieder kommen! J. Sch., 23 Jahre

Meine ersten Einzelexerzitien mit 25 Jahren

Ich kam mit sehr gemischten Gefühlen nach Werdenfels. Kurz vor Ankunft war ich schon so weit, wieder umzukehren und doch nicht teilzunehmen.
„Wie sollte ich das alles bloß schaffen? Eine ganze, endlos scheinende Woche kaum sprechen, soviel beten und kennen tue ich diese Sr. Erna auch nur vom E-Mail-Kontakt her....“ Solche Gedanken beherrschten mich die ganze Zeit. Aber meine Neugier und mein Stolz waren größer als der Wunsch umzukehren.

Und wie ist es mir dann ergangen?
Ich kann es nicht beschreiben, welche Glücksgefühle diese Woche in mir ausgelöst hat. Ich konnte in der Exerzitienwoche soviel Kraft für meinen Alltag tanken, was ich nie für möglich gehalten hätte, was nicht zuletzt an der herzlichen Art der Exerzitienbegleiterin lag.
Sicher, die ersten zwei Tage waren nicht einfach. Heraus aus der Hektik des Alltags, hinein in die Stille, so viele unbekannte Menschen. Es war schwer für mich, zur Ruhe zu kommen, aber es wurde vor allem durch lange Spaziergänge in der Natur möglich.

Man glaubt gar nicht, wie gut man Menschen auch im Schweigen kennen lernen kann. Das war eine meiner größten Erfahrungen, und dass ich nicht den Druck verspürte, immer etwas sagen zu „müssen“. Ich konnte das Schweigen dann richtig genießen!

Wir wurden eine sehr intensive Glaubensgemeinschaft in dieser Woche, und meine Angst vor einem Zuviel an Gebet und Messe erwies sich als völlig unbegründet. Ich lernte das Gebet von einer ganz anderen Seite zu betrachten, so dass ich mich jeden Tag auf die Messe und die Anbetungszeit freute. Überhaupt lernte ich vor allem durch das Beschäftigen mit der Bibel meinen christlichen Glauben aus einer ganz anderen Sicht kennen.

Nach der Woche, die sehr schnell verging, kehrte ich in meinen Alltag zurück. Gestärkt, voller Zuversicht und Vertrauen auf die Liebe Gottes!

Seit meinen ersten Exerzitien war ich schon wieder dreimal dabei und habe mich auch für heuer schon angemeldet. E.R.
 


Meine Erfahrung mit Einzelexerzitien

"Als ich mich mit 23 Jahren das erste Mal für Einzelexerzitien entschieden habe, war ich bereits Studentin. Doch ich erinnere mich, dass ich mich ein bisschen so fühlte wie anfangs in der Jugendgruppe, als ich 13 Jahre alt war: Ich hatte das drängende Bedürfnis mitzumachen, aber gleichzeitig starkes Herzklopfen und spürte eine Unsicherheit, die mich zwar nicht ängstlich, aber vorsichtig werden ließ. Gleich bei der schriftlichen Anmeldung merkte ich, dass ich mich richtig entschieden hatte, denn ich wurde herzlich begrüßt und fühlte mich willkommen. Genauso ging es mir bei der Ankunft im Exerzitienhaus. Als ich dann die anderen Teilnehmerinnen kennen lernte, die alle ungefähr in meinem Alter waren, hatte ich das gute Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein. Ich fand es sehr entspannend, dem üblichen "Small-Talk" zu entkommen (denn es waren ja Schweige-Exerzitien), doch gleichzeitig genoss ich den Erfahrungsaustausch, der täglich stattfand, genauso wie die Einzelgespräche und die Zeiten des Alleinseins. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir meine langen Spaziergänge und die Meditationen in der Kapelle, wo ich gut zur Ruhe kommen und beten konnte.
Die Einzelexerzitien haben mir vor allem in Zeiten der Neuorientierung (z. B. als mein Vater gestorben oder meine erste Liebesbeziehung zu Ende war) sehr gut getan. Sie halfen mir, mich getragen zu fühlen und wieder in meine Mitte zu kommen. Doch auch wenn es momentan keine Extremsituation zu bewältigen gibt, würde ich gerne wieder Einzelexerzitien machen, da ich im Alltag wenig Zeit zur Besinnung habe und es mir gut tut, mich ein paar Tage lang aus meinem täglichen Leben auszuklinken und es mit Abstand zu betrachten. Ich kann dann wieder aufgetankt und mit neuem Mut einsteigen." K. F.-Sch., 29 Jahre
 


EINMAL ZEIT HABEN FÜR SICH – LEBEN!

Zu Beginn dachte ich mir: „Wie – eine Woche schweigen? – Unmöglich! Außerdem ist meine beste Freundin dabei und ich freu mich schon auf einen guten Ratsch mit ihr.

Doch innerhalb kürzester Zeit genoss ich in vollen Zügen,
einfach zu schweigen,
langsam zur Ruhe zu finden,
hören, wie das Wasser am Bach fließt und rauscht,
spüren, wie der Wind um die Nase streicht
und wie sich die Blätter der Bäume hin- und herbewegen,
aufmerksam werden – dort - ein Schmetterling!
Die Wiesen leuchten saftig grün im schimmernden Sonnenlicht.
Dein Atem wird ruhig in der Meditation.

Gelegenheit, nachzudenken
Gelegenheit, mit Gott zu sprechen
Zeit, dein Leben wieder auf den richtigen Weg zu führen
Zeit, den Draht zu Gott wieder zu finden
Zeit, dein Leben neu zu entdecken
Völlig losgelöst
Ausgeglichen,
zufrieden,
glücklich sein - LEBEN!

Ja, diese Tage waren für mich ein wunderbares Erlebnis, mich selbst zu finden und Gott wieder ein Stück näher zu kommen. S. A., 23 Jahre
 


Meine ersten Einzelexerzitien

Zu meinen ersten Einzelexerzitien bin ich nach Abschluss meiner Berufsausbildung gefahren. Ich wollte innehalten und zu mir selbst finden, wollte nach dem Prüfungsstress neue Kraft und innere Ruhe suchen. Meine größte Sorge war, vielleicht ganz lange still sitzen zu müssen und es nicht aushalten zu können. Eine zweite Sorge war, mit dem Schweigen und dem Alleinsein nicht zurecht zu kommen. Auch befürchtete ich, ich könnte mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert werden und ihnen nicht gewachsen sein. Eigentlich hatte ich das Bedürfnis zu laufen, zu laufen, zu laufen. Wie sollte das möglich werden? Ich hatte gewichtige Zweifel. Trotzdem fuhr ich hin. Das Haus oben am Hügel gefiel mir sehr gut. Die Teilnehmerinnen fand ich auch sehr nett. Außerdem gingen wir am ersten Abend erst nach einem gemeinsamen Programm in die Stille.
Zu meiner großen Überraschung wurden die nächsten Tage wunderschön. Es gab feste Punkte: Morgenmeditation, Austausch in der Gruppe, ein Gespräch mit Schwester Erna und Eucharistiefeier am Abend. Ansonsten konnten wir frei – wie es das Herz ersehnte - den Tag gestalten. Impulszettel von Sr. Erna waren Orientierungshilfe.
Die ersten drei Tage bin ich kilometerweit gelaufen, am vierten Tag habe ich dann zum ersten Mal die Natur wahrgenommen und habe dabei am Grund des Baches das Spiegelbild der Bäume entdeckt, deren Blätter selbst noch im Wasser grün schimmerten. Diese grüne Farbe weckte in mir neue Hoffnung.
Unangenehme Gefühle konnte ich stets im Laufen auflösen. Manchmal habe ich auch darüber geschlafen. Ich glaube, die Seele passt gut auf einen auf und überfordert nie. Im Laufe der Tage nahm ich mich zunehmend mehr selbst wahr. Als ich heimfuhr, fühlte ich eine innere Gelassenheit in mir.
Mit 26 Jahren an Exerzitien teilzunehmen, war eine gute Entscheidung für mich. In der Gruppe haben wir uns auch ohne Worte gegenseitig gestärkt.
Inzwischen habe ich schon ein zweites Mal Exerzitien gemacht und auch da gute Erfahrungen gemacht. S. G., 28 Jahre
 


Exerzitien, eine Auszeit nicht VON mir, sondern MIT mir und Gott.

Die Idee, an Einzelexerzitien teilzunehmen, entstand bei mir aus dem Wunsch, einige Tage aus dem Alltag "auszusteigen" und mich dabei bewusst auf Gott einzulassen. Im täglichen Leben gibt es so viele Ablenkungen, die erschweren, der Stimme Gottes und damit dem eigentlichen Weg zu folgen - Arbeit, Verpflichtungen, Termine, Erwartungen, die andere und auch ich selber an mein Leben haben. Vor den Exerzitien hatte ich noch keine Vorstellung, wie es mir gelingen sollte, die Unmenge an Gedanken, die tagtäglich in meinen Kopf herumgeistert, zur Ruhe zu bringen. Beladen mit allem, was mich bewegt, fiel es mir zu Beginn nicht wirklich leicht, mich auf den Exerzitienweg einzulassen. Vielmehr hatte ich Sorge, dass mich meine Gedanken und Ängste überfordern, wenn ich sie nicht durch meine Alltagsstrategien in Schach halte. Ich hätte meine Gedanken am liebsten weggeschlossen, denn wie sonst sollte ich mich auf Gott einlassen? So voll beladen konnte ich ja kaum eine klaren Gedanken fassen, geschweige denn ein Gebet formulieren. Doch da kam mir das Schweigen zu Hilfe. Durch die Erfahrung, dass ich nichts sagen, erklären oder leisten muss und ich mich nicht für das, was und wie ich bin, zu rechtfertigen brauche, durfte ich feststellen, dass es vor Gott genügt, wenn ich einfach nur da bin - so wie ich bin und mit allem, was mich bewegt. Der Satz: "Gott, ich übergebe dir meine Gedanken." wurde mir dabei zum roten Faden und half mir, auch innerlich zur Ruhe zu kommen. So durfte ich mich Schritt für Schritt der Erkenntnis nähern, dass alles was in mir ist, seine Berechtigung hat und dass das, wonach ich mich vor den Exerzitien gesehnt hatte, nicht eine Auszeit VON mir selbst war, sondern eine Auszeit MIT mir selbst war. Der heilsame und stärkende Gedanke, dass Gott mich auch mit allem, was mich bewegt, annimmt und dass ich mich deshalb auch annehmen und wertschätzen darf, begleitet mich seither und hilft mir, meinen Weg - den Weg, den Gott mir weist - deutlicher zu sehen und mutiger zu gehen. St. F., 27 Jahre