24. Januar24. Februar24. März24. April24. Mai24. Juni24. Juli24. August24. September24. Oktober
    

    
   Zukunft wagen

24. September

Die tiefste Sehnsucht in uns Menschen meint Leben und Zukunft. Von ihr erwarten wir alles, was wir im je gegenwärtigen Augenblick vermissen, entbehren, erhoffen. In ihr sehen wir den Anfang der Unendlichkeit.
"Zukunft wagen" ist als Akt des Glaubens eine existentielle Tugend, die über unsere Zeitlichkeit ins Unendliche hinausweist, die uns trotz unserer vielen Erfahrungen von Unzulänglichkeit, von Unrecht, Schuld und Leid, trotz der Erfahrungen des Scheiterns unbeirrt daran festhalten lässt, dass sich unser Sehnen nach dem endgültigen Heil und nach der Erlösung aus der Vorläufigkeit des Daseins auf dieser Erde erfüllen wird.
Diese Zuversicht ist Gnade.
Damit wir Zukunft haben, deshalb wurde Gott in Jesus Mensch, einer von uns, er erlöste uns vom Tod und eröffnete uns Zukunft im Reich seines himmlischen Vaters.
Unsere Zukunft ist also ebenso sicher wie die Vollendung des Reiches Gottes, zu der wir auf dem Weg sind.



Zukunft beginnt jetzt, in diesem Augenblick. "Wagen" können wir sie deshalb nur, wenn wir jetzt leben; für uns Ordensfrauen heißt das: wenn wir im Jetzt geistlich leben. Und das bedeutet: Wir haben als geistliche Menschen in dem Maße Zukunft, als wir jeden Augenblick das treu leben, was wir bei unserer Profess zwar "für die Augen unsichtbar" (Exupéry), doch als bewusste Erneuerung unserer Taufe wirklich vollzogen, nämlich dass wir mit Christus gestorben und mit ihm auferstanden sind.
   
Wir leben inmitten dieser Welt als in und mit Christus Auferstandene. Unser geistliches Leben stellt nicht eine für bestimmte Anlässe und mit allerlei religiöser Zier herausgeputzte Fassade unseres "gewöhnlichen" Lebens dar; es ist unser einziges, unteilbares, einmaliges und einzigartiges Leben.
Wir leben es dann authentisch, erfüllt und zukunftsorientiert, wenn uns die Integration aller unserer physischen, geistigen und geistlichen Anlagen, Fähigkeiten und Lebensäußerungen gelingt, wenn wir auch in den Niederungen des Alltags Augenblick für Augenblick aus dem Bewusstsein leben, in Christus zu sein. Nur so erliegen wir auch nicht der gefährlichen Versuchung, uns auf die eine oder andere Weise der harten Wirklichkeit unserer Tage zu entziehen und uns in irgendwelche angenehme religiöse Illusionen zu flüchten.

Als Einzelne und als Gemeinschaft "wagen" wir "Zukunft", wenn wir "im Geist und in der Wahrheit" beten (Joh 4,23f), wenn wir immer mehr danach trachten, dass unser Leben und unser Gebet untrennbar eins sind.
Das bedeutet auch, dass wir uns wie Mutter Theresia aufrichtig, entschieden und kreativ den Herausforderungen der Zeit stellen. Heute sind das vor allem die Schwierigkeiten und Probleme, die mit dem Zerbrechen überlebter Denkmuster, Vorstellungen und Strukturen einhergehen:
  • Es ist die Krise in der Kirche, die geistliche Not so vieler Gläubigen, die sich ausgegrenzt und in ihr nicht mehr beheimatet fühlen.
  •  Es sind die vielen individual- und sozialpsychologischen Probleme in unserer Gesellschaft: Egozentrik bis hin zur Egomanie; Sucht und Gewalttätigkeit in vielfältiger Ausprägung; Isolation; Verweigerung von Verantwortung; Oberflächlichkeit; Stil- und Disziplinlosigkeit; und nicht zuletzt die wachsende Tendenz, von eigenem Versagen durch Schuldzuweisungen auf andere abzulenken.
  • Es ist das grenzenlose Elend der unzähligen Armen und Ausgebeuteten auf der Welt, der durch Kriege und Katastrophen Gequälten.
  • Und es ist der Schrei der von der Not, noch mehr von der Gedankenlosigkeit und hemmungslosen Gier der Menschen bedrohten Natur.
Dem Erschrecken, das uns angesichts dieser Herausforderungen überfällt, und der Versuchung, im Gefühl der Ohnmacht zu erstarren, können wir begegnen, wenn wir uns an das Beispiel Mutter Theresias halten: Sie sah und erlitt die Nöte und Probleme ihrer Zeit und packte dort, wo sie stand, in unbedingtem Glauben und Vertrauen energisch und vorbehaltlos das an, wozu sie in der Lage war. Auch von uns wird nicht mehr, aber auch nicht weniger verlangt.
Wenn wir wie Mutter Theresia nicht zuerst an uns selbst denken, sondern, eins in der Sendung und in der Liebe, gemeinsam auf den Herrn schauen und dem Anruf seines Geistes trauen, wird er uns die Kraft schenken, alle Verzagtheit zu vergessen, alle Engherzigkeit, Lähmung und Angst hinter uns zu lassen, werden wir Mut und Zuversicht schöpfen und so wirklich unsere Zukunft – nicht nur wagen, sondern gewinnen.
Druckversion

  • Denn "Zukunft wagen", heißt vor allem GLAUBEN,
    • glauben, dass Gott der Herr auch dieser Zeit ist,
    • glauben, dass nichts vergeblich ist, was wir in seinem Namen tun,
    • glauben, dass er uns retten, Zukunft schenken will.

      Wie die Zukunft in dieser Zeitlichkeit für unsere Kongregation, für eine jede Einzelne von uns Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau aussehen wird, wissen wir nicht.
      Was wir jedoch wissen ist, dass unsere Zukunft auch in unserer Hand liegt; denn Punkt 115 unseres Generaldirektoriums sagt:

      "Wir übernehmen" mit der "Verantwortung für unsere fortwährende personale Entfaltung … auch die Verantwortung für die Zukunft unserer Kongregation" und zwar "durch das Zeugnis, das wir in unserem Alltag geben".