| Darum ist unsere überströmende Freude an
diesem 24. Oktober 2008 eine zugleich demütige. Vor allem aber ist sie
ein Lobpreis der Barmherzigkeit Gottes; denn seit 175 Jahren ist der
Herr "unsere Stärke und unser Lied", ist er für uns immer neu "zum
Retter geworden" (Ps 118, 14), hat er "unser gemeinsames Leben aus dem
Glauben" als "Dienst am Volk Gottes" reich gesegnet und als
"prophetisches Zeichen der Kirche" (K 8) aufleuchten lassen. |
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Ein prophetisches Zeichen weist
über das Gegenwärtige, über sich selbst, seine Welt und Zeit hinaus,
es schenkt die Einsicht, dass das Eigentliche erst im Kommen ist.
Wie unsere Konstitution sagt, sind wir gerufen und gesandt, ein solches
prophetisches Zeichen zu sein und in unserer Welt und Zeit das Kommen
des Reiches Gottes sichtbar zu machen: |
- Eines Reiches nicht des Buchstabens, der Angst, Enge und
Kümmerlichkeit,
sondern das Reich des lebensspendenden Geistes, das Reich
der Freiheit, der Weite und der Fülle;
- eines Reiches nicht der Gesetze, der Abgrenzung und
Selbstgerechtigkeit,
sondern das Reich der Geschwisterlichkeit und der
gegenseitigen Verantwortung;
- eines Reiches nicht der Vorbehalte, der Ausgrenzung und
Feindseligkeiten,
sondern das Reich der Menschenfreundlichkeit, der
Verständigung und Versöhnung;
- eines Reiches nicht des Kleinmuts, der Verzagtheit und
ängstlichen Sorge,
sondern das Reich des gläubigen Vertrauens, des mutigen
Wagens und der unerschütterlichen Zuversicht;
- eines Reiches nicht der Machtansprüche, der Privilegien und
Rechte,
sondern das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Liebe
und des Friedens (vgl. Röm 14,17).
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Diese Sendung beinhaltet einen ungeheueren Anspruch an
uns, dem wir nur mit und in unserem Herrn Jesus Christus genügen
können. Doch sie ist der Inbegriff unseres Lebens als Arme
Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. |

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Wo immer wir als Einzelne und als Gemeinschaft Menschen begegnen, sollen
diese von unserem Leben auf die Größe, die Güte und
Menschenfreundlichkeit Gottes schließen können; denn der Glaube an den
"Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus" (Eph 1,3) lebt vom
Zeugnis, das Zeugnis wiederum lebt von denen, die bezeugen. Je
glaubwürdiger die Zeugen, je lauterer und liebenswürdiger sie die Frohe
Botschaft Jesu verkünden, desto bereitwilliger wird sie von den Herzen
der Menschen aufgenommen.
Diese Einsicht hat uns Mutter Theresia gelehrt: "Nur durch Liebe
werden wir die Liebe der Kinder gewinnen, ihre Herzen zu Gott
hinziehen…" (vgl. # 4405). |
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Darum verlangt unsere Sendung, dass wir nicht allein durch unser
Wort, sondern zuerst und vor allem durch unser Leben das Wort Gottes
"annehmbar" machen. |
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Wie die Kirche insgesamt, so haben auch wir in einer säkularistisch,
pluralistisch und egoistisch organisierten Welt nur dann eine Chance im
Sinne Jesu, wenn wir uns als echtes Gegenbild, als zwar "in der
Welt", aber "nicht von dieser Welt" erweisen, d. h. wenn wir
nicht auf Profit, Gewalt, Macht und Recht setzen, sondern wie
Jesus auf Liebe und Überzeugung und so der Sehnsucht der
Menschen nach Leben und Erfüllung den richtigen Weg weisen. Das lässt
sich nicht mit Appellen, nicht mit schönen Worten und erst recht nicht
mit Zwang, Ausgrenzung und Strafaktionen bewerkstelligen, sondern
nur durch unser lebendiges, d. h. die Herzen der Menschen
gewinnendes Zeugnis. |
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Nur wenn wir "den Gott und Vater unseres Herrn Jesus
Christus" (Eph 1,3) als den bezeugen,
- der "größer ist als unser Herz" (1 Joh 3,20),
- der uns geliebt hat, "da wir Sünder waren" (vgl. Röm 5,8),
nur wenn wir durch unser Leben, durch die Art, wie wir nach dem Beispiel
Jesu mit Menschen umgehen, glaubwürdig bezeugen,
- dass es uns nicht um unsere Sache,
- auch nicht um Strukturen, Vorschriften oder gar um Vorrechte und
Ansehen geht,
- sondern um das Leben und Heil des je konkreten und einzigartigen
Menschen als Abbild Gottes, als Bruder und Schwester Jesu Christi, nur
dann erfüllen wir wirklich unseren Sendungsauftrag in dieser Zeit.
Und dann sind wir wahrhaft ein
"prophetisches Zeichen", dem die Zukunft von Gott schon jetzt und hier
auf dieser Erde gewiss ist.
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Von
solcher Erkenntnis geleitet, brechen wir an diesem gesegneten Tag
des Jubels und der Freude erneut und zuversichtlich auf zum Dienst
am Werk Gottes, ermutigt vom Wort unserer Mutter Theresia:
"Gott, der Allmächtige und unendlich Barmherzige,
wird um Jesu willen sein Werk zum erwünschten Ziel führen,
wie er es von Anbeginn geleitet und beschützt hat."
(M. Th. am 29.04.1858 / # 2607)
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Ein Psalm der Hoffnung
Wir sind voll Zuversicht
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du bist mit uns gegangen bis zum heutigen Tag.
In unserer Vergänglichkeit hast du, Unwandelbarer,
Großes an uns getan.
Wir sind voll Zuversicht
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du hast uns reich gesegnet von Anbeginn;
gesegnet in unseren heiligen Vorbildern und Ahnen,
in unserer Gründerin Maria Theresia von Jesu Gerhardinger,
in Bischof Georg Michael Wittmann,
in Vater Franz Sebastian Job,
in Matthias Siegert, Mutter Theresias treuem Begleiter,
und in Mutter M. Karolina Frieß …
Nach deiner Verheißung
hast du reich gesegnet allüberall auf Erden,
was je wir in deinem Namen säten.
Wir sind voll Zuversicht;
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du wirst weiter mit uns sein.
Du wirst uns weisen,
wenn wir ratlos sind.
Du wirst uns erleuchten,
wenn sich das Dunkel um uns mehrt.
Du wirst uns stärken,
wenn Mut und Kraft uns schwinden.
Du wirst uns nie verlassen;
denn du bist ein treuer Gott.
Du siehst in Güte
auf jedes noch so schwache Mühen.
Du antwortest auf jede unsrer Fragen,
du zeigst uns deine Wege
und erfüllst mit ungeahnter Freude unser Herz.
Darum sind wir voll Zuversicht und Lobpreis,
Herr unser Gott.
Maria Canisia Engl

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