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"Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.
Wir wollen jubeln und uns an ihm freuen." (Ps 118, 24)


24. Oktober
In großer Dankbarkeit blicken wir heute auf 175 Jahre lebendiger Geschichte unserer Kongregation zurück – auf gesegnete Zeiten des Aufbruchs, des Wachsens, Blühens und Fruchttragens; auf Zeiten stets neuer Herausforderungen und Prüfungen, auf Zeiten der Läuterung und auf Zeiten zuversichtlicher Hoffnung.


Jeder Generation der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau war "ihre Zeit" geschenkt – dass sie sie nütze und darin ihren je eigenen und einmaligen Auftrag erfülle. Doch wie wir heute trugen auch alle Schwestern vor uns "ihren Schatz in irdenen Gefäßen" (2 Kor 4,7); so konnte selbst das anscheinend Vollendete stets nur Stückwerk sein (1 Kor 13,9), und es konnte auch nicht ausbleiben, dass wir schuldig wurden.

Darum ist unsere überströmende Freude an diesem 24. Oktober 2008 eine zugleich demütige. Vor allem aber ist sie ein Lobpreis der Barmherzigkeit Gottes; denn seit 175 Jahren ist der Herr "unsere Stärke und unser Lied", ist er für uns immer neu "zum Retter geworden" (Ps 118, 14), hat er "unser gemeinsames Leben aus dem Glauben" als "Dienst am Volk Gottes" reich gesegnet und als "prophetisches Zeichen der Kirche" (K 8) aufleuchten lassen.
 
Ein prophetisches Zeichen weist über das Gegenwärtige, über sich selbst, seine Welt und Zeit hinaus, es schenkt die Einsicht, dass das Eigentliche erst im Kommen ist.
Wie unsere Konstitution sagt, sind wir gerufen und gesandt, ein solches prophetisches Zeichen zu sein und in unserer Welt und Zeit das Kommen des Reiches Gottes sichtbar zu machen: 
  • Eines Reiches nicht des Buchstabens, der Angst, Enge und Kümmerlichkeit,
    sondern das Reich des lebensspendenden Geistes, das Reich der Freiheit, der Weite und der Fülle;
  • eines Reiches nicht der Gesetze, der Abgrenzung und Selbstgerechtigkeit,
    sondern das Reich der Geschwisterlichkeit und der gegenseitigen Verantwortung;
  • eines Reiches nicht der Vorbehalte, der Ausgrenzung und Feindseligkeiten,
    sondern das Reich der Menschenfreundlichkeit, der Verständigung und Versöhnung;
  • eines Reiches nicht des Kleinmuts, der Verzagtheit und ängstlichen Sorge,
    sondern das Reich des gläubigen Vertrauens, des mutigen Wagens und der unerschütterlichen Zuversicht;
  • eines Reiches nicht der Machtansprüche, der Privilegien und Rechte,
    sondern das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens (vgl. Röm 14,17).
Diese Sendung beinhaltet einen ungeheueren Anspruch an uns, dem wir nur mit und in unserem Herrn Jesus Christus genügen können. Doch sie ist der Inbegriff unseres Lebens als Arme Schulschwestern von Unserer Lieben Frau. 

 
Wo immer wir als Einzelne und als Gemeinschaft Menschen begegnen, sollen diese von unserem Leben auf die Größe, die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes schließen können; denn der Glaube an den "Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus" (Eph 1,3) lebt vom Zeugnis, das Zeugnis wiederum lebt von denen, die bezeugen. Je glaubwürdiger die Zeugen, je lauterer und liebenswürdiger sie die Frohe Botschaft Jesu verkünden, desto bereitwilliger wird sie von den Herzen der Menschen aufgenommen.
Diese Einsicht hat uns Mutter Theresia gelehrt: "Nur durch Liebe werden wir die Liebe der Kinder gewinnen, ihre Herzen zu Gott hinziehen…" (vgl. # 4405). 
  Darum verlangt unsere Sendung, dass wir nicht allein durch unser Wort, sondern zuerst und vor allem durch unser Leben das Wort Gottes "annehmbar" machen.  
Wie die Kirche insgesamt, so haben auch wir in einer säkularistisch, pluralistisch und egoistisch organisierten Welt nur dann eine Chance im Sinne Jesu, wenn wir uns als echtes Gegenbild, als zwar "in der Welt", aber "nicht von dieser Welt" erweisen, d. h. wenn wir nicht auf Profit, Gewalt, Macht und Recht setzen, sondern wie Jesus auf Liebe und Überzeugung und so der Sehnsucht der Menschen nach Leben und Erfüllung den richtigen Weg weisen. Das lässt sich nicht mit Appellen, nicht mit schönen Worten und erst recht nicht mit Zwang, Ausgrenzung und Strafaktionen bewerkstelligen, sondern nur durch unser lebendiges, d. h. die Herzen der Menschen gewinnendes Zeugnis.

Nur wenn wir "den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus" (Eph 1,3) als den bezeugen,
- der "größer ist als unser Herz" (1 Joh 3,20),
- der uns geliebt hat, "da wir Sünder waren" (vgl. Röm 5,8),
nur wenn wir durch unser Leben, durch die Art, wie wir nach dem Beispiel Jesu mit Menschen umgehen, glaubwürdig bezeugen,
- dass es uns nicht um unsere Sache,
- auch nicht um Strukturen, Vorschriften oder gar um Vorrechte und Ansehen geht,
- sondern um das Leben und Heil des je konkreten und einzigartigen Menschen als Abbild Gottes, als Bruder und Schwester Jesu Christi, nur dann erfüllen wir wirklich unseren Sendungsauftrag in dieser Zeit.

Und dann sind wir wahrhaft ein "prophetisches Zeichen", dem die Zukunft von Gott schon jetzt und hier auf dieser Erde gewiss ist.

 

Von solcher Erkenntnis geleitet, brechen wir an diesem gesegneten Tag des Jubels und der Freude erneut und zuversichtlich auf zum Dienst am Werk Gottes, ermutigt vom Wort unserer Mutter Theresia:

"Gott, der Allmächtige und unendlich Barmherzige,
wird um Jesu willen sein Werk zum erwünschten Ziel führen,
wie er es von Anbeginn geleitet und beschützt hat."


(M. Th. am 29.04.1858 / # 2607)



Ein Psalm der Hoffnung

Wir sind voll Zuversicht
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du bist mit uns gegangen bis zum heutigen Tag.
In unserer Vergänglichkeit hast du, Unwandelbarer,
Großes an uns getan.

Wir sind voll Zuversicht
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du hast uns reich gesegnet von Anbeginn;
gesegnet in unseren heiligen Vorbildern und Ahnen,
in unserer Gründerin Maria Theresia von Jesu Gerhardinger,
in Bischof Georg Michael Wittmann,
in Vater Franz Sebastian Job,
in Matthias Siegert, Mutter Theresias treuem Begleiter,
und in Mutter M. Karolina Frieß …

Nach deiner Verheißung
hast du reich gesegnet allüberall auf Erden,
was je wir in deinem Namen säten.

Wir sind voll Zuversicht;
und preisen dich, Herr unser Gott;
denn du wirst weiter mit uns sein.

Du wirst uns weisen,
wenn wir ratlos sind.
Du wirst uns erleuchten,
wenn sich das Dunkel um uns mehrt.
Du wirst uns stärken,
wenn Mut und Kraft uns schwinden.
Du wirst uns nie verlassen;
denn du bist ein treuer Gott.
Du siehst in Güte
auf jedes noch so schwache Mühen.
Du antwortest auf jede unsrer Fragen,
du zeigst uns deine Wege
und erfüllst mit ungeahnter Freude unser Herz.

Darum sind wir voll Zuversicht und Lobpreis,
Herr unser Gott.


Maria Canisia Engl 

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