24. Januar24. Februar24. März24. April24. Mai24. Juni24. Juli24. August24. September24. Oktober
 Senfbaum     

    

 

  Wachsen

24. Mai
"Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können." (Mk 4,30-32)


Als Senfkorn bezeichnet Jesus an anderer Stelle der Schrift den Glauben (vgl. Mt 17,10; Lk 17,6).
Das Bild vom Glauben als dem Samen des Reiches Gottes und dem Geheimnis seines Wachsens erklärt überzeugend nicht nur das Gelingen der Gründung unserer Kongregation, sondern auch ihre in einer ersten Phase unmittelbar danach einsetzende und fast atemberaubend schnelle Ausbreitung.


Wir A. Schulschwestern v. U. L. Fr. erkennen das Senfkorn der Aussaat, der Verheißung und des Wachsens unserer Kongregation im unerschütterlichen Glauben Bischof Georg Michael Wittmanns und Mutter Theresias. Sie waren überzeugt von Gottes Auftrag zur Gründung einer neuen Ordensgemeinschaft für Unterricht und Erziehung, die offen, beweglich und bereit sein sollte, allen, auch den Ärmsten, allüberall auf der Welt zu dienen und die frohe Botschaft Gottes zu verkünden.
Der
Glaube an ihre Sendung erfüllte Mutter Theresia mit geradezu übermenschlicher Kraft und heroischem Mut. Er ließ sie den Ozean überqueren und Widerstände aller Art überwinden.

Kaum hatte sie mit den ersten Schwestern in Neunburg vorm Wald einigermaßen Fuß gefasst, errichtete sie 1836 die erste Filiale der Kongregation im fünf Kilometer entfernten Schwarzhofen. Weitere drei Jahre später folgten die Gründungen in der Vorstadt Au in München, der ersten höheren Schule der Kongregation in Amberg und in den Jahren danach weiterer sechs Filialklöster, sodass 1843, als das Mutterhaus in das nach Mutter Theresias Plänen umgebaute Angerkloster in München verlegt wurde, die neue Gemeinschaft kaum zehn Jahre nach der Gründung bereits über 11 Häuser verfügte, in denen 60 Schwestern und 20 Novizinnen lebten und arbeiteten.


Größere Kartenansicht

Dieses rasche Wachsen lässt sich nur dadurch erklären, dass Mutter Theresias Persönlichkeit und Spiritualität, die kontemplatives Leben mit weltoffener, qualifizierter pädagogisch-missionarischer Arbeit als untrennbare Einheit überzeugend verwirklichte, immer mehr auch hochbegabte junge Frauen begeisterte und zum Eintritt in die Kongregation ermutigte – trotz teilweise bitterer Armut, die bei jeder Neugründung in der Gemeinschaft herrschte.

Die Verlegung des Mutterhauses in die Landeshauptstadt München beweist Mutter Theresias Weitblick; denn sie eröffnete der Kongregation Entfaltungsmöglichkeiten von damals kaum zu ahnendem Ausmaß.
Größere Kartenansicht
 
Von ihrem Wagemut und ihren überragenden Führungsqualitäten zeugt die Einpflanzung des Ordens 1847 in die Neue Welt. Mit ihr setzte der noch junge Baum der Kongregation den ersten "großen Zweig" an, der sich aus ganz kleinen und schwierigen Anfängen prächtig entwickeln sollte, sodass im Todesjahr Mutter Theresias 1879, als die Kongregation rund 3000 Schwestern zählte, etwa die Hälfte davon der Ausbreitung des Reiches Gottes in Nordamerika diente.
In Europa drang der gute Ruf der Armen Schulschwestern de Notre Dame rasch weit über die Grenzen Bayerns hinaus und führte zu Neugründungen in Westfalen, Schlesien, in den verschiedenen Ländern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, nach Württemberg und England.
Es war Mutter Theresias Grundsatz, sich nie um eine neue Gründung zu bewerben, sondern stets nur dort hinzugehen, wohin sie mit ihren Schwestern gerufen wurde – und das waren meist Brennpunkte wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, religiöser und bildungspolitischer Not, so wie die der Kinder Auslandsdeutscher in London oder der Donauschwaben in Ungarn und im jetzigen Rumänien.
 
Für uns Heutige in einer mobilen Gesellschaft, der ICEs, Transrapids, Flugzeuge, PCs und modernste Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen, ist es unvorstellbar, welch übermenschlichen Kraft, überragenden Intelligenz und nicht zuletzt welchen Glaubensmuts es im 19. Jahrhundert bedurfte, so viele Gründungen (bei Mutter Theresias Tod waren es allein in Europa rund 180) in verhältnismäßig kurzer Zeit an so weit von einander entfernten Orten vorzubereiten und durchzuführen.
Mutter Theresia schrieb alles Gelingen der Gnade Gottes zu. Und in der Tat – es war kein Zufall, dass Gott für die Durchführung seines Werkes die Tochter eines Schiffmeisters erwählte, die von klein auf lernte, was Planung, Umsicht und Mut, Weitblick, Risikobereitschaft und Verantwortung bedeuten; und er führte sie auf wunderbare Weise auf ihren unzähligen Wegen zu Wasser und zu Land. Er schenkte ihr die Hellsicht eines lauteren, liebevollen Herzens und klugen Geistes, die richtigen Schwestern für die jeweiligen Aufgaben auszuwählen und auch ganz junge Frauen mit wichtigen Aufgaben zu betrauen. So etwa ernannte sie 1839 Schwester Maria Margarita von Cortona Wiedemann (ihre spätere erste Nachfolgerin) kurz nach deren Gelübdeablegung im Alter von 25 Jahren zur Oberin und Schulleiterin in Amberg und 1850 die erst 26-jährige Maria Carolina Frieß zu ihrer Generalvikarin in Amerika.
Auch nach Mutter Theresias Tod wuchs der Orden stetig und kontinuierlich: 1933 zählte die Kongregation in Europa 354 Ordenshäuser mit 5.358 Schwestern, in Amerika 404 Häuser mit 5.409 Schwestern. Sie arbeiteten in insgesamt 1.690 pädagogischen Einrichtungen von Kindergärten und Waisenhäusern bis zu Fachschulen, Gymnasien und Colleges. Die Zahl der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen betrug rund 250.000.
Doch dann brach ein Jahrhundert nach der Gründung über den europäischen Zweig der Kongregation mit der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland, mit dem 2. Weltkrieg und dem Vordringen des russischen Kommunismus bis nach Mitteleuropa eine Zeit großer Prüfungen an.
Freilich zeigte sich auch, dass selbst Verfolgung und die Vertreibung aus den Schulen nur der weiteren Ausbreitung der Kongregation dienten: Schwestern aus Schlesien und Bayern gingen 1935 bzw. 1937 nach Brasilien und begründeten die heutigen Provinzen Porto Alegre bzw. Sao Paulo. 1938 wurden bayerische Schwestern von den jeweiligen Bischöfen nach Stockholm bzw. Göteborg in Schweden und nach Buenos Aires in Argentinien gerufen.
Nach dem 2. Weltkrieg waren es die amerikanischen Provinzen St. Louis, Milwaukee, Baltimore, Mankato, Chicago, Wilton sowie die Kanadische Provinz, die, herausgefordert von der Not der Armen, Ordensniederlassungen in verschiedenen Ländern Asiens, Afrikas, Latein- bzw. Mittelamerikas und auf der Insel Guam im Westpazifik gründeten.
Vom gleichen missionarischen Geist beseelt, gingen Schwestern der Region Japan 1985 nach Nepal, folgten brasilianische Schwestern der Provinz Porto Alegre im Jahr 2004 dem Ruf nach Osttimor.

Größere Kartenansicht
Das Wachstum und die Ausbreitung unserer Kongregation über die ganze Erde stimmt uns sehr dankbar und zuversichtlich,
doch erinnert unsere 175-jährige Geschichte gleichermaßen an das Wort Jesu:

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein.
wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht."
(Joh 12,24)

Wie alles Leben auf der Erde, so vollzieht sich auch das einer Gemeinschaft im Kreislauf von Werden, Wachsen, sich Verändern und Vergehen. Jesus hat sich in seinem Leben und in seinem Sterben dieser Gesetzmäßigkeit unterworfen – und er hat sie in seiner Auferstehung überwunden. Indem er den Tod freiwillig auf sich nahm, hat er ihn vernichtet. Er hat ihm in seiner Auferstehung Sinn verliehen und ihn zum Beginn neuen und unvergänglichen Lebens gemacht.
Darauf gründet unsere Hoffnung und darum beten wir heute, da wir innehalten und die Wege Gottes in unserer Geschichte bedenken:

Herr Jesus Christus, du hast uns Arme Schulschwestern von Unserer Lieben Frau in alle Welt gesandt, um den Armen deine Frohe Botschaft zu verkünden, und durch 175 Jahre unser Mühen reich gesegnet. Dafür danken wir dir und bitten dich:

  • Sende uns den Geist der Einsicht, der Unterscheidung und der Weisheit, der uns lehrt,
    wie wir heute unsere Kräfte am besten einsetzen, um dir und den Deinen zu dienen.
  • Stärke unseren Glauben an deinen Sendungsauftrag. Nur so können wir ihn in Treue erfüllen.
  • Lass uns nie mutlos werden – in keiner Prüfung, keinem Rückschlag und nicht im Sterben.
  • Mache uns vielmehr zu glaubwürdigen Zeugen deiner Güte und Menschenfreundlichkeit.
  • Schenke uns den Geist der Lauterkeit und Wahrheit, der Gerechtigkeit und Liebe, dass wir, was immer wir tun, nie uns selbst, sondern in allem deine Ehre und das Heil der uns anvertrauten Menschen suchen.
Denn du bist der Weg in unsere Zukunft.
Du bist die Wahrheit, der zu dienen wir berufen sind.
Du bist unsere Freude und Zuversicht.
Du bist unser Leben.

Druckversion