24. August
Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott:
Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt,
damit sie anderen nützt.
(1 Kor 12,4 – 7)
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Dieses Pauluswort
bezeichnet den einigenden Geist in der Kirche und damit auch in der
internationalen Gemeinschaft der Armen Schulschwestern von Unserer
Lieben Frau.
Die verschiedenen Gnadengaben des einen Geistes Gottes in den Schwestern
unserer in 35 Ländern der Erde verbreiteten Kongregation, die in 541
Ortsgemeinschaften leben und 49 verschiedene Muttersprachen sprechen,
sind unser wahrer und kaum zu ermessender Reichtum. Ihn so
zu nützen,
dass Gott in einer "gerechteren, menschenwürdigen Welt"
(Generalkapitel
1992) verherrlicht werde, darin besteht unsere Sendung.
Sie können wir nur als lebendige Gemeinschaft erfüllen,
eine
Gemeinschaft, die in allen ihren Lebensäußerungen Zeugnis gibt von der
Liebe Christi und der "herrlichen Freiheit der Kinder Gottes"
(Röm
8,21).
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Auf diese wichtige Einsicht verweist unsere Lebensregel IHR SEID GESANDT
sehr nachdrücklich: Nicht nur dass sie das Thema "Gemeinschaft"
unmittelbar nach dem Abschnitt "Sendung" an den Anfang stellt, sie
widmet ihm auch unter den Aspekten des Lebens und der Entfaltung jeder
Schwester rund 20 Textseiten. Auf diese Weise betont sie die elementare
Bedeutung des Lebens in Gemeinschaft sowohl für die einzelne Schwester
als auch für die Erfüllung unserer gemeinsamen Sendung.
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Jede Schwester unserer Kongregation lebt in einer Hausgemeinschaft, die
in lebendiger Beziehung zur Gemeinschaft der Provinz und über diese zur
internationalen Gemeinschaft der Kongregation steht und deren Mitte
Christus der Herr ist.
Wie in jedem lebendigen Organismus findet in ihr ein ständiger
gegenseitiger Austausch statt, ein Austausch an Ideen und Kräften, der
nicht nur der einzelnen Gemeinschaft, sondern auch jeder Schwester große
Chancen eröffnet: Er erweitert den geistigen Horizont, stellt eine nicht
zu unterschätzende gegenseitige kulturelle und geistige Bereicherung dar
und ist die Grundlage weltweiter gegenseitiger Hilfeleistung zur
Erfüllung der gemeinsamen Sendung. |
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Von entscheidender Bedeutung ist für jede Schwester an erster Stelle
ihre Hausgemeinschaft; denn diese ist ihr Lebensraum, in ihr erlebt sie
unmittelbar "die Freude und den Anspruch der Nachfolge Jesu Christi" (K
43) , aber auch die Herausforderungen und "unvermeidlichen Spannungen"
(K 7) im Zusammenleben von Frauen unterschiedlicher Herkunft, Begabung,
Ausbildung und Tätigkeit, von Frauen unterschiedlichen Alters und
unterschiedlicher geistlicher Erfahrung.
Nicht die beliebige Summe von Ordensschwestern ergibt eine geistliche
Gemeinschaft, sondern nur die bewusste, jeden Tag neu durchgehaltene
Entscheidung jeder Einzelnen, um der Liebe Christi willen zusammen mit
den Mitschwestern und nach den Regeln der Gemeinschaft die gemeinsame
Sendung möglichst vollkommen zu erfüllen. |
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Die Lebensqualität der Hausgemeinschaft bedingt in hohem Maß die
seelische Gesundheit der Schwestern und damit auch die Qualität ihres
apostolischen Dienstes.
Deshalb legt ISG größtes Gewicht auf die Verantwortungsbereitschaft
jeder Schwester (vgl. K 45; 64/GD 5; 60; 115), die Gemeinschaft mit
aufzubauen und so mitzugestalten, dass sich alle darin wohlfühlen und
persönlich entfalten können.
Das setzt gegenseitiges Vertrauen, den guten Willen sowie die
Möglichkeit einer jeden voraus, sich mit allen ihren Fähigkeiten in das
gemeinsame Leben einzubringen.
Nur so kann in der Gemeinschaft eine "Atmosphäre" entstehen, die den
unverzichtbaren "Austausch von Gedanken und Einsichten, Lebens- und
Glaubenserfahrungen ermöglicht" (GD 2) ; nur so entsteht "ein
Klima, in
dem geistliches Wachstum, gegenseitige Annahme und Versöhnung möglich
sind". |

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Wir Menschen fühlen uns nur dann wohl, wenn wir gut in unser soziales
Umfeld eingebunden sind. So ist für uns Schwestern die Erfahrung
lebensnotwendig, dass wir von der Gemeinschaft grundsätzlich angenommen
und in unserem Sosein bestätigt werden, damit wir uns freien Herzens
gegenseitig zu persönlicher Initiative und zu schöpferischem Einsatz
unserer Talente ermutigen können (vgl. GD 2e). Dann sind wir auch fähig,
uns in Liebe gegenseitig auf Fehler hinzuweisen, uns zur
Umkehr und ständigen Erneuerung zu rufen bzw. solche
Hinweise dankbar anzunehmen.
(vgl. GD 2d+h) |
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Unverzichtbar für den Aufbau einer wahrhaft
geistlichen Gemeinschaft ist neben dem gemeinsamen Gebet auch der
ständige und aufrichtige Dialog (vgl. GD 2, a+f) als Voraussetzung für
einen Grundkonsens sowohl über die Elemente gedeihlichen Zusammenlebens
(über Wahrhaftigkeit, Menschenfreundlichkeit, Achtung vor der
Würde der anderen, über Takt und Höflichkeit) als auch über den
effizienten Einsatz der Begabungen der Schwestern sowie der sonstigen
zur Verfügung stehenden Mittel im Dienst unserer Sendung.
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Nur in echtem Dialog werden die unterschiedlichen Meinungen so
ausgetragen und zu einem Konsens zusammengeführt, dass keine Schwester
der Gemeinschaft sich in ihrer Einmaligkeit, ihrer Einzigartigkeit und
Würde verletzt fühlen muss.
Die aufrichtige Pflege des Dialogs ist das untrügliche Zeugnis
schwesterlicher Liebe.
Wichtiges Element und Widerspiegelung der Qualität des gemeinsamen
Lebens sowie der "Verwirklichung der gemeinsamen Verantwortung"
ist nach
ISG die Schwesternversammlung, "zu der sich alle Mitglieder der
Gemeinschaft wenigstens zweimal im Monat treffen" sollen, um
"die
Qualität unseres Gemeinschaftslebens und unseres Dienstes am Volk Gottes
zu verbessern" (GD 61). |

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Die geistliche Gemeinschaft eines jeden Hauses stellt im Kleinen dar, was
die internationale Gemeinschaft der Kongregation im Großen sein kann: Je
bewusster und geistlich fundierter, je lebendiger, liebevoller und in
gegenseitiger Treue und Verantwortung verbundener die einzelnen Konvente
ihre Sendung leben, desto stärker und lebenskräftiger sind die Provinzen und
die Gesamtkongregation, desto strahlender und überzeugender ihr Zeugnis.
In dem Maße, in dem es in den einzelnen Konventen gelingt, die vielfältigen
Unterschiede in Liebe so zu nützen, dass sie der gemeinsamen Sendung dienen,
gelingt dies auch in der internationalen Gemeinschaft; denn es ist "ein und
derselbe Geist, der dies alles bewirkt, und der einem jeden seine besondere
Gabe zuteilt, wie er will." (vgl. 1 Kor 12,11) |
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Ohne Zweifel gehört es in dieser Zeit zu unserer Sendung als internationale
Kongregation, in den pluralistisch desorientierten Gesellschaften, zu denen
auch wir gehören, den Menschen vorzuleben, unter welchen Voraussetzungen
plurales Denken hilft, um aus Vielfalt Einheit und Lebensfülle zu gewinnen.
Dies ist gegenwärtig vielleicht unsere größte Herausforderung, jedoch auch
eine Chance, unser Gemeinschaftsleben aus dem Geist aufrichtiger Liebe zu
erneuern. |
Niemand kann ernsthaft behaupten, dass das Zusammenleben von
unterschiedlichsten Charakteren mit unterschiedlichen Bedürfnissen,
Geschmacksrichtungen und Vorlieben, mit unterschiedlichen Vorzügen und
Fehlern leicht fällt. Wenn das schon in ein und demselben Kulturkreis so
ist, um wie viel schwieriger in multikulturellen Bezügen.
Und doch: Da Gott alles Leben auf dieser Erde vielfältig und vielgestaltig
wachsen und gedeihen lässt, da er der Herr auch unserer Zeit ist, warum
sollte er uns nicht die nötige Einsicht, die Kraft und den Mut schenken,
damit wir immer wieder neu aus der Vielfalt unserer internationalen
Gemeinschaft Zuversicht, Freude und Vertiefung unseres geistlichen Lebens
gewinnen?
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Anmerkungen: Aus ISG; K = Konstitution; GD =
Generaldirektorium
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So wollen wir miteinander zum Herrn beten, der uns versprochen
hat, dass "der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben wird,
die ihn darum bitten" (Lk 11,13),
- um den Geist der Aufmerksamkeit, der Einfühlsamkeit und der
Behutsamkeit in unseren Gemeinschaften,
- um den Geist des Hörens auf das, was Gott uns in unserem Herzen,
durch unsere Mitschwestern und Lebensumstände sagt,
- und vor allem um den Geist der rechten Unterscheidung zwischen
dem, was wichtig und dem, was nebensächlich ist, zwischen dem, was
aus Liebe geboren und darum unveränderlich gültig und dem, was
zeitbedingt und deshalb vergänglich ist.
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Als Frucht einer der schwersten Prüfungen
ihres Lebens hinterließ uns Mutter Theresia diese Einsicht aus dem
Jahre 1859, die wir als kostbares Vermächtnis bewahren:
"Einheit allein macht uns stark im Innern und nach außen; Einheit
macht uns unauflösbar; Einheit erleichtert die Beschwerden unseres
Berufes; Einheit macht uns unüberwindlich."
Deshalb gehört es wesentlich zu unserem geistlichen Leben in
Gemeinschaft, dass wir die Einheit in Verschiedenheit bewusst und
kreativ leben und festigen.
Wie alles Gute und Richtige lässt sich Einheit weder verordnen noch
erzwingen; sie erwächst aus personaler Freiheit und Liebe und hat
nur in diesen beiden Tugenden Bestand.
Deshalb ist auf allen Ebenen unserer internationalen Gemeinschaft
der Einsatz für die Einheit auch eine hervorragende Schule
geistlichen Lebens und in einer Zeit pluraler Wertvorstellungen das
beste Zeugnis, das wir der Welt von der Echtheit und Größe unserer
Berufung geben können.
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